Eine lange Schlafplatzsuche

23.08.2016

Es ist viel zu früh, als heute der Wecker klingelt. Trotzdem heißt es, von unserem Couchsurfing-Host Wojtek Abschied zu nehmen und weiter in Richtung Osten aufzubrechen. Seit 10 Tagen sind wir nun schon unterwegs.

Heute wollen wir wieder ein bisschen Strecke machen.

Wojtek hat uns empfohlen, weiter entlang der tschechisch-polnischen Grenze zu fahren. Also geht es weiter vom Riesengebirge in Richtung Falken- und Adlergebirge (da hatte wohl jemand bei der Namensgebung einen Faible für große Raubvögel :P). Durch die Serpentinen, die ein wirklicher Traum für jeden Motorradfahrer sind, kommen wir an so manchen Felsformationen vorbei.

Es verwundert, dass uns so wenige Moppedfahrer begegnen. Obwohl man hier vergleichbare Serpentinen wie in den Alpen fahren kann, sind die Straßen generell viel, viel leerer. Natürlich sind manche Straßen nicht so gut ausgebaut wie in den Alpen – dann wird die Fahrt durch die Anzahl an Schlaglöchern zum echten Abenteuer. Aber die Möglichkeit, so häufig die Straße ganz für sich allein zu haben, ist schon sehr reizvoll. Zudem ist das Reisen in dieser Region hier um ein Vielfaches günstiger.

Nach einer guten Etappe geben wir unsere letzten polnischen Zloty in einem Supermarkt für Essen aus, das ebenfalls sehr günstig ist.

Langsam wird es Zeit, sich einen Schlafplatz zu suchen. Wir folgen dabei immer unserem Gefühl und fahren in ländliche Gebiete. Heute wollen wir wieder Besitzer fragen, ob wir auf ihrem Land übernachten dürfen.

Dabei kann sicherlich die sprachliche Barriere zum Problem werden. Die Ersten, die wir fragen, sprechen weder Englisch noch Deutsch. Wir leider auch kein Polnisch. Anhand von Zeichensprache können wir unser Anliegen zwar verdeutlichen, die polnische Antwort hierauf können wir leider überhaupt nicht verstehen. Wir fahren weiter in ein kleines Dorf. Vergeblich klingeln wir bei einem weiteren Haus, kommen dann zu einer sehr freundlichen Familie, mit der wir aber nur eher schlecht als recht kommunizieren können. Sie können uns zwar keinen Platz zum Campen zur Verfügung stellen, erklären uns aber ausführlich den Weg zum nächsten Hotel und bieten uns an, zum Essen zu bleiben. Leider verstehen sie nicht, dass wir nicht auf der Suche nach einem Hotel sind. Also müssen wir wohl selbst nach einem Schlafplatz weitersuchen und können die Einladung zum Essen leider nicht annehmen, da uns nicht mehr viel Zeit bliebt, bis es dunkel wird.

Die Suche geht weiter. Glücklicherweise dauert diese aber nicht mehr lange. An einem kleinen Hof werden wir erst mit skeptischen Blicken, jedoch kurze Zeit später von zwei jungen Männern mit einem “Welcome to Poland” begrüßt. Wir schlagen unser Zelt auf der gegenüberliegenden Wiese auf.

Einer der beiden jungen Männer ist an Erna interessiert und möchte alles über sie erfahren. Er erzählt, dass er auch Mopped fährt.

Während ich mich um das Abendessen kümmere, wird Moe zur Scheune herübergewunken. Ich höre nur ein lautes Knattern, kurze Zeit später kommt Martin stolz mit seiner Suzuki Intruder 1400 aus der Garage geschlossen. Ich hatte eine so schwere Maschine nicht erwartet – der absolute Hammer! Moe darf auch mal eine Runde Probefahren.

Moe auf der Intruder

Zum Abendessen gibt es leckere Tortellini in einer Schinken-Käse-Sahnesoße mit frischer Paprika und Zwiebeln. Auch unterwegs kann man mit wenig Mitteln ein gutes Essen zubereiten. Der Hund des Hofs kommt uns dabei immer mal wieder besuchen. Wir taufen ihn Willi und geben ihm etwas von unserem Schinken ab.

Der Hund Willi

Willi

Entfernung dieser Etappe: 192.1 km