Die Moppedherzen schlagen höher

02.09.2016

„Möchten Sie einen Kaffee?“ Gerade als ich aus dem Zelt steige, ruft mir die Hausbesitzern diese verlockenden Worte zu. Da muss ich nicht lange überlegen.

Also gehe ich in das Haus, in dessen Garten wir heute Nacht gezeltet haben. Bei Kaffee und Kuchen lerne ich Hubert und Maria kennen. Sie erzählen mir, dass sie zu einer österreichischen Minderheit in Kärnten zählen, deren Muttersprache Slowenisch ist. Obwohl sie untereinander sowie im gesamten Dorf nur slowenisch sprechen, ist ihr deutsch perfekt. Hier wachsen alle Kinder zweisprachig auf.

Hubert und Maria haben eine große Familie: 4 Kinder und 10 Enkelkinder, auf die sie sehr stolz sind. Da gibt es viele schöne aber auch traurige Geschichten zu erzählen. Wir schauen uns gemeinsam Bilder aus den Fotoalben an. Auch wir erzählen von unserer Reise und Plänen. Ich finde es rührend, wie groß der Zusammenhalt hier ist, was es für eine starke Familienverbundenheit gibt. Drei Stunden verbringen wir in der Küche bei Maria und Hubert, die Zeit vergeht wie im Flug. Wir würden gern noch länger bleiben, so eine reizende Familie.

Doch wir müssen langsam los. Der kleine Enkelsohn Julian nimmt noch ein Abschiedsbild auf.

Foto mit Hubert und Maria

Als Erstes wollen wir in das kleine Städtchen Bled. Ziga, den wir zuvor in Slowenien kennengelernt haben, studiert dort. Er hatte uns einen Besuch empfohlen. Also fahren wir zurück nach Slowenien, von hier aus kein weiter Weg. Aber ein besonders schöner! Ab Ferlach fahren wir einen wunderschönen Pass entlang. Die Aussicht auf die beeindruckenden Berge, die prächtigen Wälder und das weite Tal ist einmalig. Wir haben das große Glück: Die Straße gehört uns allein. Einfach perfekt 🙂

Kochen zwischen Sonnenanbetern

Bled liegt direkt am See Blejsko Jezero – ein attraktives Ziel für Touristen. Das Wetter ist schön, es sind also einige Leute am Baden.

Wir brauchen jetzt dringend eine warme Mahlzeit. Da wir gestern Abend in allerletzter Sekunde vor Beginn des Gewitters das Zelt aufgebaut hatten, ist die Zubereitung des Essens nicht mehr drin gewesen. Jetzt knurrt der Magen. Wieso also nicht die warme Mahlzeit mit dem schönen Blick auf den See und einer Abkühlung verbinden? 

Wir suchen kurze Zeit nach einem Platz ohne Menschen, doch das scheint hier unmöglich. Da wir nicht länger herumfahren wollen, lassen wir uns eben an einer Badestelle nieder und packen die großen Rucksäcke zwischen so manch einem Sonnenanbeter aus. Kaum damit angefangen, beginnen die Menschen um uns herum zusammenzupacken. Scheint keinem zu gefallen, dass wir uns es hier gemütlich machen wollen. Uns kümmert das wenig.

Nach dem Essen gehen wir in ein Café. Ziga hatte uns empfohlen, die berühmten Bleder Kremsnita (Cremeschnitten) zu kosten. Da führt kein Weg dran vorbei! Sau lecker die Teile, Moe ist eher mäßig begeistert.

Kremsnita Bled

Auf in den Nationalpark

Nun geht es weiter in den Triglav Nationalpark, der sich westlich von Bled befindet. Hier gibt es die höchsten Berge Sloweniens, türkisblaue Flüsse und sagenhafte Landschaften.

Ziel ist der Campingplatz des kleinen Orts Trenta, der sich mitten im Nationalpark befindet. Ein idealer Ort für den Start unser nächsten Hikingtour. Als wir in den Nationalpark fahren, kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es ist noch schöner, als wir uns es jemals hätten vorstellen können. Und auch die Strecke über den Bergpass lässt unsere Moppedherzen höher schlagen. Ein absoluter Traum! Kein Wunder, dass hier fast nur Motorradfahrer unterwegs sind. Das heutige landschaftliche Erlebnis und die fahrerischen Genüsse markieren den Höhepunkt unser bisherigen Reise.

Kawasaki ER 5 in Trenta, Slowenien

20160902_ostentour2016_moppedhiker_83

Entfernung dieser Etappe: 162,9 km