Auf der Suche nach dem besten Motorrad für eine Weltreise

Jeder, der mit dem Motorrad die Welt bereisen will, steht am Anfang vor der Frage, welches Motorrad ihn begleiten soll. In unserem Jahresrückblick klang es schon an, dieses Jahr wollen wir uns auch der Suche nach einem Reisemotorrad widmen.
Erna war ein treues Motorrad für unsere Osteuropatour, hier waren wir vor allem auf Asphalt unterwegs und hatten immer einigermaßen gute Straßen. Für die große Reise ist sie aber nicht geeignet. Wir brauchen ein zuverlässiges Motorrad, welches uns auch abseits von festen Straßen sicher fortbewegt.
Wir möchten euch hier auf unserer Suche nach einem passenden Reisemotorrad mitnehmen und unsere Gedanken dazu teilen.
Eins noch vorweg: Wir selbst haben kaum Enduro Erfahrungen und sind keine Motorradexperten. Wir haben schon mit einigen anderen Motorradreisenden gesprochen und verfolgen einige Reiseblogs, in denen wir uns Inspiration holen.


Die Kriterien

Wir gehen mal durch, welche Punkte uns wichtig sind und welche weniger.

Welche Bedingungen muss unser Reisemotorrad erfüllen?

Die einzelnen Kategorien sind nach absteigender Priorität geordnet.

Zuverlässig und Robust

Unser wichtigstes Kriterium. Das Motorrad soll anspringen und fahren. Wir wollen unterwegs so wenig Zeit wie möglich in Werkstätten mit dem Schraubenzieher in der Hand verbringen. Außerdem soll es auch den ein oder anderen Sturz verzeihen können. Wäre zudem auch gut, wenn es mal mit schlechtem Sprit klarkommt. Die Zuverlässigkeit ist natürlich stark subjektiv und kann nicht immer direkt beurteilt werden. Wir verlassen uns da auf Berichte anderer Reisender, Tests und unser Bauchgefühl.

Auf der Straße und im Gelände fahrbar

Bestimmt kann man auch mit einer Honda Goldwing die Welt umrunden, wir wollen aber ein Motorrad haben, das mit allen Wegen und Untergründen zurechtkommt. Dieses Kriterium ist für uns allerdings auch relativ schwer zu beurteilen. Wir haben bis auf ein paar Schotterpisten nicht so viel Offroaderfahrung. Im Internet findet man zu jeder Reiseenduro Diskussionen über die Geländetauglichkeit. Es ergibt sich aber oft der Eindruck, als würden viele Leute dabei Äpfel mit Birnen vergleichen. Es herrschen doch große Unterschiede zum Verständnis vom Offroad- und Geländefahren. Die Einen denken dabei an die Dakar, Motocross und Sprünge über Hügel, Andere haben eher Schotterpisten, schlammige Wege und vielleicht mal eine Bachdurchquerung im Kopf. Dadurch, dass wir zu zweit auf einem voll bepackten Motorrad sitzen, ergeben sich sowieso schon Beschränkungen im Geländefahren.
An dieser Stelle würden wir uns natürlich auch sehr über Hinweise und Erfahrungen von anderen Motorradreisenden freuen!

Nicht zu groß und schwer

Hier knüpfen wir direkt am vorherigen Punkt an. Auf dem Reiseenduromarkt gibt es so einige Boliden und Schlachtschiffe. Angefangen bei der BMW R 1200 GS, über die Ducati Multistrada hin zu einer KTM 1190 Adventure. Das kommt uns alles zu groß und schwer vor. Da wir jedoch zu zweit mit Gepäck auf einem Motorrad sitzen, brauchen wir natürlich auch etwas Leistung. Wir sehen uns daher im 650 ccm Bereich. Zu hoch sollte sie auch nicht sein, ich möchte auch mit meinen 1.73cm Körpergröße noch mit den Füßen den Boden berühren können. Mit der Suzuki XT 660 hatte ich damit Probleme (~88cm Sitzhöhe). Ideal wäre wohl eine Sitzhöhe +/- 80 cm.

Nicht zu teuer

Unser Budget soll vor allem fürs Reisen eingesetzt werden und nicht in Technik verballert werden. Inklusive Gepäcksystem, Wartungsarbeiten, Ersatzteile und ggf. Umbauten denken wir an ein Budget zwischen 3000 und 4000 Euro.

Spritverbrauch/Reichweite

Da wir viele, viele, viele Kilometer machen wollen wäre es sowohl nachhaltiger als auch besser für die Reisekasse, wenn das Mopped nicht all zu durstig ist. Wir würden da gerne auf einen sparsamen Motor mit unter 5l/100km setzen. Es wäre auch schön, wenn man mit einer Tankfüllung über 300 km kommt. Der Tank muss aber nicht übertrieben groß sein. Im Zweifelsfall packt man halt noch ein, zwei PET Flaschen mit Benzin ein. Wir vertrauen auf eine weltweit große Tankstelleninfrastruktur.

Komfort für 2 Personen

Wenn wir zehntausende von Kilometern unterwegs sind, soll es auf Fahrer und Soziussitz bequem sein. Neben dem Motorradmodell können hier aber auch alternative Sitzbänke, Umpolsterung oder Zubehör wie Schafsfelle/Sitzkissen weiterhelfen.

Wenig Elektronik

Unser Motorrad soll möglichst einfach und mechanisch gehalten sein. Das ist weltweit schrauberfreundlicher. Einen E-Starter sollte es aber schon haben. ABS wäre ganz nett, muss aber nicht sein. Irgendwelche Boardcomputer, elektrisch verstellbare Federbeine oder Tanksensoren brauchen wir nicht.

Leichte Ersatzteilbeschaffung

Das ist auch so ein Kriterium, welches ich nicht so gut beurteilen kann. Es wäre gut, wenn das Motorrad kein absoluter Exot ist und man eine gute Verfügbarkeit von Ersatzteilen hat. Möglichst weltweit. Wir wissen, dass man nicht überall alles an Ersatzteilen bekommen kann, aber ehrlich gesagt können wir nicht einschätzen, was sich hier gut eignet. Da wären wir auch über Tipps und Hinweise dankbar!

Gebraucht aber gut, nach Möglichkeit weniger als 50.000 Kilometer

Das gehört auch ein bisschen in die bereits genannte Kategorie der Zuverlässigkeit, unser Motorrad muss nicht das Neuste sein. Es wäre aber gut, wenn der Motor noch viele Kilometer mitmacht. Man hört ja von Reiseenduros, die über 200.000 km problemlos laufen. Aber wie oben gesagt, Zuverlässigkeit hat die höchste Priorität. Als grobe Grenze setzen wir 50.000 km.

Was ist uns nicht so wichtig?

Auf folgende Kriterien legen wir nicht so viel Wert:

Optik/Image

Wir legen uns nicht auf eine bestimmte Marke fest und legen auch nicht viel Wert darauf, das hübscheste Mopped zu fahren. Hauptsache, die Punkte oben stimmen. Wir denken, je unscheinbarer das Motorrad ist, desto weniger weckt es Begehrlichkeiten von Kriminellen. Ein schönes Mopped ist nur für schicke Fotos von Bedeutung 😛

Alter

Ob es eine neue oder alte Maschine ist, ist für uns erst mal nicht erheblich. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Für die älteren Maschinen spricht, dass die Ersatzteilverfügbarkeit größer ist und sie meist leichter zu reparieren sind. Die Wahrscheinlichkeit einen Mechaniker zu finden, der ein altes Mopped kennt, ist auch größer. Außerdem sind die älteren Moppeds günstiger zu haben. Neue Motorräder haben wiederum den Vorteil, dass sie vom Zustand meist besser sind, fortschrittlichere Technik haben und oft auch einfach besser aussehen.

Leistung

Wir sind auf der Ostentour gut mit den 50 PS der Erna ausgekommen, wir fahren eher gemütlich und genussorientiert. Der Weg ist das Ziel. Auf unserer Ostentour sind wir am Tag durchschnittlich keine 200 km gefahren. Und in vielen Ländern außerhalb Europas kann man aufgrund von Straßenzuständen und Verkehr mit mehr Leistung eh nicht viel anfangen.


Die Kandidaten

Nach allem Abwägen ist eine Liste mit einigen möglichen Kandidaten entstanden. Mit keinem der aufgeführten Moppeds sind wir schon selbst gefahren, deswegen gehen alle auf Kommentare auf Internetrecherchen zurück. Diese Liste ist auch absteigend nach unseren Prioritäten sortiert.

Honda Africa Twin (RD 07)

Wohl der Klassiker unter den Reiseenduros. Uns überzeigt vor allem, dass ihr eine sehr hohe Zuverlässigkeit zugesprochen wird. Ihre Geländefähigkeit hat sie regelmäßig bei der Rallye Dakar unter Beweis gestellt. Leider ist die Afrika Twin etwas schwer und möglicherweise auch nicht der Bequemste unter den Kandidaten.

Motorbauart Leergewicht Verbrauch Hubraum Leistung Sitzhöhe
V2 246 kg 5,7 l 743 ccm 60 PS 86 cm

BMW F650GS/Dakar

Die „kleine“ GS punktet mit niedriger Sitzhöhe und geringem Verbrauch. Die Einzylinder-Maschine mit viertakt Motor gibt es auch auch in der Version „Dakar“ mit verlängerten Federbeinen und größerem Vorderrad. Die Sitzhöhe ist dann allerdings wieder höher. Unter den GS Fahrern ist sie als Frauen- und Anfängermotorrad verschrien – dieses Geschwätz ist uns egal.

Motorbauart Leergewicht Verbrauch Hubraum Leistung Sitzhöhe
Einzylinder 193 kg 3,5-4,5 l 652 ccm 50 PS 78/87 cm

Honda Transalp (PD 10)

Die Honda Transalp ist auch ein beliebtes Fortbewegungsmittel unter Motorradreisenden. Sie weist einige Ähnlichkeiten zur Africa Twin auf, ist aber straßenorientierter. Sie gilt auch als sehr zuverlässig und bequemer als die AT.

Motorbauart Leergewicht Verbrauch Hubraum Leistung Sitzhöhe
V2 210 kg 5 -6 l 583 ccm 50 PS 85 cm

Suzuki V-Strom 650

Die V-Strom ist ein Allroundmotorrad. Sie ist eines der jüngeren Motorräder dieser Liste. Mit 82cm dürfte sie eine angenehme Sitzhöhe haben und ist genügsam im Spritverbrauch. Außerdem soll sie recht zuverlässig sein.

Motorbauart Leergewicht Verbrauch Hubraum Leistung Sitzhöhe
V2 197 kg 4.5 l 645 ccm 67 PS 82 cm

Kawasaki KLE 650 Versys

Die Kawasaki Versys gilt als V-Strom Konkurrent. Sie basiert auf der Kawasaki ER 6, Nachfolgerin unserer Erna. Sie hat, wie die V-Strom auch, einen niedrigen Verbrauch und benötigt für einen Offroad-Einsatz einige Anpassungen. Die Marke Kawasaki hat mit der Erna schon einen Vertrauensvorschub erreicht.

Motorbauart Leergewicht Verbrauch Hubraum Leistung Sitzhöhe
Zweizylinder Reihenmotor 209 kg 4,7 l 743 ccm 64 PS 84,5 cm

Yamaha XTZ 660 Ténéré

Die Ténéré ist zwar nach einem Teil der Sahara benannt, die Meinungen zur Offroadtauglichkeit gehen aber auseinander. Mit einem 20l Tank verspricht die Reiseenduro eine hohe Reichweite. Problematisch könnte hier aber auch die hohe Sitzhöhe sein.

Motorbauart Leergewicht Verbrauch Hubraum Leistung Sitzhöhe
Einzylinder 195 kg ~5 l 660 ccm 47,6 PS 87 cm

Triumph Tiger 900 (T400)

Die Tiger T400 gehört zu den größeren und schwereren, aber auch leistungsstärkeren Moppeds in dieser Auswahl. Sie ist mehr für die Straße als fürs Gelände gemacht. Aber sicherlich auch fernreisetauglich.

Motorbauart Leergewicht Verbrauch Hubraum Leistung Sitzhöhe
Dreizylinder Vergaser 255 kg 5-6 l 885 ccm 86 PS 85 cm

Suzuki DR 800 S

Die DR 800 S gilt auch als langlebig und zuverlässig. Für schweres Gelände ist sie eher nicht nicht geeignet, kommt aber mit Schotterpisten und schlechten Straßen gut klar. Die DR hat wohl einen relativ hohen Verbrauch der bis auf 9l/100km ansteigen kann.

Motorbauart Leergewicht Verbrauch Hubraum Leistung Sitzhöhe
Einzylinder 225 kg 6,4 l 779 ccm 50 PS 89 cm


Fazit

Schon viele Stunden haben wir in die Recherche nach einem passenden Reisemopped gesteckt. Beim ganzen Vergleichen kann man sich sehr verlieren. Wir haben jetzt einen sehr viel besseren Überblick über den Markt, sind aber irgendwie trotzdem noch unentschlossen. Wahrscheinlich sind alle aufgeführten Motorräder ganz gut zum Verreisen. Wenn man ein Gebrauchtes sucht, muss man dann ja auch sowieso noch schauen, was überhaupt angeboten wird. Außerdem muss man bei einigen Probefahrten gucken, ob ein Motorrad wirklich zu einem passt.

Wir halten weiterhin die Augen nach attraktiven Angeboten auf dem Gebrauchtmarkt offen und freuen uns über alle persönlichen Tipps von erfahrenen Moppedreisenden.

Quellen:
https://www.tourenfahrer.de/motorrad-technik/enduro-topseller-gebrauchtkaufberatung/
http://howfarcanwego.de/motorrad-fuer-weltreise/
http://www.motorrad-weltreise.com/welches-motorrad/
https://www.spritmonitor.de/