Egal ob mit Motorrad, Camper, Van oder Fahrrad – wenn man auf Reisen mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs ist, bedeutet das Flexibilität und Unabhängigkeit. Für uns steht fest, dass wir auf unserer großen Reise keinesfalls darauf verzichten wollen. Wir möchten auf dem eigenen Mopped unterwegs sein und selbst entscheiden können, wie lange wir wo bleiben.

Letztes Jahr waren wir in Europa unterwegs. Da haben wir uns einfach aufs Motorrad gesetzt und sind losgefahren. Wenn man jedoch ein Reiseziel hat, das sehr weit weg oder auch nicht über den Landweg erreichbar ist, sollte man sich möglichst früh überlegen, wie man den Motorradtransport bewältigen möchte.

Der Startpunkt unserer Weltreise wird Südamerika sein. Wir beide haben diesen Kontinent noch nie besucht und finden eine längere Reise dorthin extrem spannend. Schon seit einiger Zeit lerne ich aus diesem Grund Spanisch. Mir ist es wichtig, mich mit den Menschen vor Ort verständigen zu können.

Der Beginn in Südamerika bedeutet in unserem Fall, dass wir über den Atlantik müssen. Doch wo anfangen? Grundsätzlich erachten wir jedes Land als besuchenswert. Daher war uns bei der Planung auch relativ egal, wo wir in Südamerika starten werden. Wir müssen uns nach der vorhandenen Infrastruktur richten. Sind wir erst einmal da, können wir uns mit dem eigenen Fahrzeug flexibel fortbewegen.

Im Folgenden werden wir euch unsere Gedanken zu drei verschiedenen Szenarien vorstellen, mit denen wir in den letzten Monaten gespielt haben. Jede Möglichkeit hat ihre Vor- und Nachteile.

Wir möchten euch am Ende auch verraten, wofür wir uns entschieden haben.

1. Möglichkeit: Motorrad als Seefracht, selbst hinterherfliegen

Die erste Möglichkeit würde ich als „klassisch“ bezeichnen, weil sie nach unserer Einschätzung die Gängigste ist.

Wenn man das Mopped als Fracht verschiffen will, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder packt man es in eine eigene Kiste oder man steckt es in einen großen Sammelcontainer zusammen mit anderen Moppeds.

Packt man das Motorrad in eine kleine Kiste, muss man sich erstmal Gedanken machen, wo man diese auftreiben möchte. Wenn Geld keine Rolle spielt, kann man sich bequem eine Kiste vom Transportunternehmen zusammenbauen und das Mopped darin verpacken lassen. Falls man die Kröten lieber anders investieren möchte, kann man sich selbst eine zusammenschustern. Dafür muss geklärt sein, wie und ob man das Bike selbst am Hafen in die Kiste packen kann. Wenn man sich die Kiste zum Hafen bringen lässt, kommen zusätzliche Kosten obendrauf. Grundsätzlich gilt: Je kleiner die Kiste, desto günstiger. Also sollte man das Motorrad dafür auch so weit auseinanderbauen, wie möglich. Im Zielhafen angekommen, muss man die Kiste dann auch irgendwie wieder loswerden. Ein paar gute Tipps zum Transport mit Kiste liefern die Krad Vagabunden.

Wenn man sich mit anderen zusammenschließt und einen gemeinsamen Container mit mehreren Motorrädern verfrachtet, kann die Angelegenheit deutlich günstiger werden. Für die Planung muss man sich allerdings recht früh auf ein gemeinsames Abfahrtsdatum festlegen. Nach Möglichkeit sollte man sich auch einmal vorher persönlich kennengelernt haben, da das Ganze auch eine Vertrauenssache ist. Für Interessierte lohnt sich ein regelmäßiger Blick in das Forum von Horizons Unlimited (englisch) oder der Motorradkarawane (deutsch).

Wenn es – wie in unserem Fall – von Europa nach Südamerika über den Atlantik gehen soll, gibt es auch die Möglichkeit, einen regelmäßigen Sammelcontainerdienst von Hamburg nach Valparaiso, Chile zu nutzen. Vorteil: Das Ganze wird von Profis organisiert und zu einem Festpreis angeboten, d.h. es gibt hier keine bösen Überraschungen. Hafengebüren und Abfertigungkosten sind inklusive.

Hat man mit einer dieser beiden Möglichkeiten das Motorrad verschifft, fliegt man später mit dem Flugzeug hinterher und holt das Mopped vor Ort im Hafen ab.

Ein Knackpunkt ist hier das richtige Abschätzen der eigenen zeitlichen Ankunft. Die Ankunft des Frachters ist wetterabhängig und verzögert sich daher nicht selten. Einerseits sollte man rechtzeitig vor Ort sein, damit das Motorrad nicht längere Zeit im Hafen stehen muss. Die Gebühren, die dafür veranschlagt werden, sind nicht selten ziemlich happig. Andererseits können aber auch indirekte Kosten dadurch entstehen, dass man zu früh vor Ort ist und sich für die Zeit, die man wartet, in einer Unterkunft in Hafennähe einquartieren muss.

Ist das Mopped dann endlich da, kann sich auch die Zollabfertigung in die Länge ziehen. Grob sollte dafür ein Tag eingeplant werden. Vorher sollte man sich über die Zollgebühren vor Ort schlau machen.

2. Möglichkeit: Motorrad als Luftfracht, selbst hinterherfliegen

Auch hier muss das Motorrad in eine möglichst kompakte Kiste gepackt werden. Gleiches Spiel wie oben. Der Vorteil ist, dass man genauer weiß, wann das Motorrad ankommen wird. Die Betonung liegt hier auf genauer – auch bei einer Luftfracht kann es zu Verzögerungen kommen, es bleibt ein gewisses Risiko. Die Zollabfertigung ist im Vergleich zur Abwicklung im Hafen wesentlich schneller. Allerdings zahlt man insgesamt auch einen höheren Preis.

3. Möglichkeit: Motorrad verschiffen, selbst mitfahren

Das sogenannte „Roll-on/roll-off“ (RoRo) hat den entscheidenden Vorteil, dass es im Vergleich zu den anderen Möglichkeiten ziemlich entspannt ist. Das Mopped wird auf die Fähre gefahren und fest verzurrt. Es  muss also vorher nicht aufwendig verpackt werden. Man spart sich damit die ganze nervige Organisation von Kiste bzw. Container.

Es kann bei dieser Variante allerdings leichter zu Beschädigungen und oder Verlusten durch Diebstahl am Mopped kommen. Je nach Fähre kann Salzwasser an das Motorrad gelangen.

Bei RoRo ist es auch möglich, selbst auf dem Schiff mitzufahren. Dann kann das Mopped als Begleitfahrzeug mitgeführt werden, womit man zusätzliche Gebühren spart, da das Motorrad nicht als Fracht sondern als Gepäck deklariert wird.

Nach unserer Recherche gibt es nur eine Reederei, welche eine Fährfahrt auf einem Frachter von Europa über den Atlantik nach Südamerika anbietet. Die Route geht von Hamburg über Antwerpen und Dakar nach Montevideo, Uruguay.

Alternative: Motorrad vor Ort kaufen oder mieten

Da der Transport des eigenen Moppeds ja doch mit viel Organisationsaufwand und einer hohen Belastung der Reisekasse einhergeht, sollte man für manch eine Reise dann doch eher ein kaufen oder mieten vor Ort erwägen. Diese Alternativen ergeben vor allem dann Sinn, wenn man im Vorhinein genau weiß, welche Länder man bereisen und wieviele km man zurücklegen möchte. Für kürzere Trips ist sicherlich ein Mietfahrzeug zu bevorzugen. Ein großer Nachteil ist jedoch, dass man am Motorrad nichts umbauen und es daher nicht an die individuellen Bedürfnisse anpassen kann.

Bei dem Kauf eines Motorrads vor Ort kann man viel Geld sparen. Jedoch sollte man sich vorher genau erkunden, in welche Länder man mit dem ausländischen Kennzeichen dann auch einreisen darf. Nicht selten haben wir gehört, dass Reisende an der Grenze in Schwierigkeiten geraten sind.

Um sich vor Betrug zu schützen, ist es ratsam, sich lokale Verstärkung zu holen. Vor allem dann, wenn man nicht die hiesige Sprache spricht. Es ist unglaublich hilfreich, wenn man eine Person an der Seite hat, die sich mit Verhandlungsgewohnheiten vor Ort auskennt und realistisch einschätzen kann, ob der Preis angemessen ist.

Hinzukommend gibt es auch die Möglichkeit, anderen Reisenden ihre Motorräder vor Ort abzukaufen. Das ist vor allem über das Forum von Horizons Unlimited möglich.

So haben wir uns entschieden

Nach einer längeren Diskussion dieser Möglichkeiten, haben wir uns für das sogennante RoRo entschieden. Dabei wollen wir als Passagiere auf dem Frachter mitfahren (ist wohl auch besser, das Mopped mehr oder weniger im Auge behalten zu können :P). Auch, wenn es insgesamt teurer ausfällt als die erste Variante, investieren wir gerne etwas mehr Geld in die Überfahrt.

Und warum? Nun ja, wir haben uns ein paar Gedanken gemacht, wie wir reisen wollen und wie nicht. Dabei waren wir uns einig, dass wir nach Möglichkeit Flugzeuge meiden möchten. Das hat mehrere Gründe. Auch wenn es bedeutet, dass wir mehr Zeit einkalkulieren müssen: Wenn wir etwas reichlich haben werden, dann ist das Zeit 🙂 . Wir wollen bewusst entschleunigt reisen! Nun, wir haben schon oft gehört, dass so eine Atlantiküberquerung schrecklich langweilig sein soll. Und wir wissen auch nicht, ob wir nicht auch irgendwann seekrank werden (na, das wär ein Spaß!). Aber ich muss sagen, dass ich keine Angst vor Muße habe und mich ziemlich schnell mit dem Gedanken anfreunden konnte. Auf jeden Fall eine Art Erfahrung, welche wir selbst machen wollen.

Wir werden jedenfalls ausführlich über unsere Erfahrungen an Bord berichten!