Wie viel kostet eine Weltreise mit dem Motorrad?

Einmal mit dem eigenen Motorrad die Welt bereisen – das ist der erklärte Traum von Vielen. Doch um diesem Traum wahr werden zu lassen, braucht man vor allem zwei Dinge: Zeit und Geld. Und zwar ganz schön viel davon.

Nun, bei dem Faktor Zeit, können wir das bestätigen: je mehr, desto besser. Doch bei Geld ist das nicht ganz so einfach. Natürlich braucht man ein gewisses Grundkapital, aber unterwegs ist das mit der Kohle wie im “normalen” Leben auch: mehr ist nicht unbedingt besser. Viel Geld macht bestimmt sorgloser – aber macht es auch glücklicher?
Das müsst ihr euch selbst beantworten.

Was bei der Frage nach den Kosten aber helfen kann: sich die Ausgaben anderer Reisender anzuschauen, um eine Orientierung zu haben. Deshalb hier nun ein Überblick unserer Ausgaben, die wir seit über zwei Jahren täglich aufschreiben.

Meine Reise ist nicht deine Reise

Eines gleich vorweg: Es kann natürlich niemals pauschal gesagt werden, wie viel so eine Reise im Einzelfall kostet. Denn: Reisekosten hängen immer vom individuellen Reisestil ab.

Schläfst du in Hotels oder campst du lieber? Gehst du in schicken Restaurants essen oder kochst du selbst? Nimmst du ein Taxi oder läufst du? Es sind tausende kleine Entscheidungen, die am Ende einen großen Unterschied machen.

Dass man auch mit relativ wenig Geld reisen kann, beweisen viele Menschen. Wir zählen sicher nicht zu den hardcore low-Budget-Reisenden. Trotzdem sind wir im Vergleich mit anderen Langzeitreisenden, die wir getroffen haben, schon recht sparsam unterwegs. Dabei ist interessanterweise ziemlich egal, ob jemand mit Van, Motorrad, Rucksack oder Fahrrad reist!

Nicki und Moe stehen glücklich vor Motorrad und Zelt

Ausschlaggebende Faktoren sind immer, wie schnell man unterwegs ist und auf wie viel Luxus man verzichten möchte.

Prioritäten

Stichwort Prioritäten. Da muss man sich vorher ganz ehrlich fragen, was einem wirklich wichtig ist. Ist eine heiße Dusche für mich unentbehrlich? Brauche ich täglich meine Lieblings-Limo, um glücklich zu sein? Und sterbe ich, wenn ich nicht ständig konsumieren kann?

Wenn man mit wenig Geld lange unterwegs sein möchte, dann muss man auch konsequent sein. Reisen ist eben kein Urlaub! Das heißt natürlich nicht, dass man sich nicht auch mal was gönnen kann. Nein, gelegentlich sollte man sich auch das was leisten, was glücklich macht. Sonst wird der Alltag mühsam.

Moe mit dem Motorrad im Sand

Reisen kann auch anstrengend sein. Vor allem, wenn das Budget knapp ist!

Aber nun mal endlich zu den Kosten

Genug von dem Vorgeplänkel, von dem hier sowieso niemand was lesen will – kommen wir endlich zu den Fakten!
Lasst mich sofort mit den interessantesten Zahlen anfangen, nämlich den durchschnittlichen Kosten unserer bisherigen Weltreise, alles mit eingerechnet:

19 €

Pro person pro tag

580 €

Pro person pro Monat

6.965 €

Pro person pro Jahr

Dies haben wir aus den zurückgelegten zwei Jahren errechnet, in denen wir von Europa über den Atlantik und einmal quer durch den südamerikanischen Kontinent gefahren sind. Spannend ist, dass sich unsere Ausgaben in teuren und günstigen Ländern Südamerikas nicht unterscheiden. Beispielsweise haben wir im hochpreisigen Chile meistens wild gezeltet, weil wir uns dort sehr sicher gefühlt haben, in Kolumbien hingegen öfters mal eines der erschwinglichen Zimmer genommen.

Wie verteilen sich die Ausgaben?

Damit kann man jetzt schon mal was anfangen. Wirklich interessant wird es aber, wenn wir uns nun mal anschauen, wofür wir all dieses schöne Geld denn ausgegeben haben. Und damit das auch gut aussieht, habe ich die folgende Grafik erstellt:

Verteilung unserer Motorrad Weltreise Kosten

Ich hoffe, dass die gewählten Kategorien ziemlich selbsterklärend sind. Trotzdem will ich kurz ausführen, was unter jede Kategorie fällt und warum die einzelnen Posten einen so großen bzw. kleinen Anteil unseres Budgets ausmachen. Ich gehe das mal absteigend durch:

Transport von uns

Beim größten Kosten-Kuchenstück sind wir direkt wieder bei den Prioritäten. Für unseren Transport über den Atlantik – direkt zu Beginn unserer Reise – haben wir nämlich nicht die günstigste Variante (mit dem Flieger), sondern die langsamere Alternative einer Seereise gewählt. Das war für unsere Verhältnisse zwar sehr teuer, aber wir haben uns damit einen Traum erfüllt. Würde man dieses Geld übrigens von der Gesamtrechnung abziehen, dann würden unsere durchschnittlichen Ausgaben pro Tag auf 16 Euro pro Person schrumpfen.

Nicht nur die große Überfahrt, sondern auch Tickets für Bus, Bahn oder Fähre sind hier mit drin. Diese machen aber nur einen winzigen Anteil aus, da wir innerhalb von Orten so gut wie immer laufen.

Camping und Unterkunft

Dies ist zwar der zweitgrößte Posten, insgesamt sind wir bei der Wahl unserer Übernachtungsmöglichkeit aber ziemlich genügsam. Wir campen viel und wenn es geht, dann auch gerne wild. Außerdem haben wir auch zeitweise für Kost und Logis gearbeitet oder in größeren Städten Couchsurfing genutzt.

Motorrad und Zelt vor einem Bergpanorama am See

Wildcampen ist kostenlos. Die Plätze, die man dabei findet, sind manchmal unbezahlbar.

Ob wir uns zwischendurch auch mal ein festes Dach über dem Kopf suchen, hängt hauptsächlich von zwei Dingen ab:

  1. Ob das in dem jeweiligen Land für uns bezahlbar ist. Pro Nacht haben wir eine Schmerzgrenze von 20 € für uns beide. Dafür würden wir beispielsweise in den USA noch nicht mal eine Besenkammer ergattern, wohingegen wir in Mexiko schon für weniger Geld ein schönes Zimmer bekommen.
  2. Ob wir arbeiten müssen. Wie einige von euch wissen, verdienen wir Geld durch Arbeit am Computer. Dafür braucht man schon mal mindestens einen Stromanschluss und in unserem Fall auch stabiles WiFi. Und das findet man häufig nur in einer festen Unterkunft, statt beim Campen (wobei es je nach Land auch gut ausgestattete Campings gibt, die dann aber auch entsprechende Preise verlangen).

Moppedwartung

Um Kosten zu sparen, versuchen wir so viel wie möglich selbst zu erledigen. Trotzdem geht für die Motorradwartung ein ganz ordentliches Stück Kuchen drauf. Wenn man fast jeden Tag mit dem Motorrad fährt, ist das einfach so. Da unser Tiger alt ist und wir damals beim Kauf nicht viel bezahlt haben, ist das okay für uns. Denn selbst wenn wir alle Wartungskosten auf den Kaufpreis addieren, dann könnten wir uns von dem Geld noch lange kein neues Motorrad kaufen.

Bedenkt aber auch, dass wir 19 von den 24 Reisemonaten, die wir für unsere Rechnung verwendet haben, zu zweit auf nur einem Motorrad unterwegs waren. Wären wir die kompletten zwei Jahre auf zwei Motorrädern gereist, dann wären sowohl die Gesamtausgaben als auch die Kostenanteile bei den Kategorien Transport Tiger und Kraftstoff wesentlich höher.

Lebensmittel

Wenn Essen gehen teurer als kochen ist, dann wird bei uns der Kochlöffel selbst geschwungen. Das ist zwar immer zeitaufwendig , aber es macht auch Spaß, neue Kreationen mit lokalen Zutaten auszuprobieren. Als Luxus gönnen wir uns dazu manchmal ein Bier, achten dafür aber sonst darauf, möglichst günstig einzukaufen.

Frische Erdbeeren auf dem Markt

In vielen Ländern sind Lebensmittel auf dem Markt viel günstiger als in Supermärkten.

Transport Tiger

Alle Fähren und der große Transport über den Ozean für die Bikes. Mit einem Motorradtransport verschwindet immer viel Geld aus der Reisekasse, es geht aber, wenn man sich dafür viel Zeit vor Ort nimmt.

Restaurants und Snacks

Zugegeben: Wir lieben (gutes) Essen. Und die Küche eines Landes ausgiebig zu probieren, gehört zum Reisen einfach dazu. Trotzdem heißt das nicht, dass wir wir uns in die teuren Schuppen setzen. Wir bevorzugen die Küchen, die nicht bei TripAdvisor zu finden sind. Hier bekommt man einfaches, authentisches Essen und uns gefällt die Atmosphäre meistens auch besser. Als Entscheidungskriterien dienen die eigene Nase, persönliche Empfehlungen und wie viele Menschen da sonst noch sitzen.

Kraftstoff

Das hat uns selbst ein bisschen überrascht: Wir hätten mit einem größeren Anteil gerechnet. Liegt wohl nicht nur an unserem Tempo, sondern auch an den günstigen Benzin-Preisen in Südamerika.

Krankenversicherung

Es gibt Reisende, die sich auch diese Kosten “sparen”. Wir haben dann aber doch lieber die Gewissheit, im Notfall abgesichert zu sein. Auch, wenn wir noch nicht ein Mal auf dieser Reise ernsthaft krank waren – man weiß ja nie…

Kultur

Das sind die Eintrittsgelder für Nationalparks, Museen, archäologische Stätten oder Konzerte. Auch hier versuchen wir, Geld zu sparen, wo es geht und uns nur das rauszusuchen, was wir unbedingt sehen wollen.

Oft gibt es auch kostenlose und weniger überlaufene Alternativen, wenn man danach sucht.

Non-Food

Wie der Name schon sagt – hierunter fallen die Dinge, die man nicht essen kann, aber trotzdem braucht. Zum Beispiel Shampoo, Anti-Mückenspray oder Sonnencreme.

Gebühren

All das, wofür man meistens nicht gerne Geld ausgibt: Visa, Motorradversicherung, Einreise- und Importgebühren, Mautstraßen und sowas.

Ist ja alles schön und gut, aber wie bekommt man denn überhaupt das Geld für eine Weltreise zusammen?

Da wir diese Frage wirklich ständig gestellt bekommen, haben wir vor einiger Zeit mal ein Video gemacht, wo wir das ausführlich beantworten. Beschweren wollen wir uns über diese Frage aber nicht. Nein, wir finden das eigentlich ganz gut, wenn die Leute offen fragen, statt erfundene Dinge über uns zu mutmaßen und öffentlich herauszuposaunen (Grüße gehen raus an die Uschi!).

Katze auf dem Schoß von Moe
Leben und leben lassen!

Wir schreiben weiter auf…

Hoffentlich helfen euch diese Infos bei der eigenen Planung ein bisschen weiter. Aber nicht nur zu diesem Zweck, hat es sich gelohnt, jeden ausgegebenen Cent aufzuschreiben. Auch für uns ist es interessant und wir werden die Liste auf jeden Fall weiterführen. Mal schauen, inwiefern sich unsere Kosten auf anderen Kontinenten verschieben werden.

Die traurige Tatsache, dass ich diesen Beitrag gerade in Corona-Isolation schreibe, hat wenigstens den Vorteil, dass wir in den kommenden Monaten wohl eher geringe Ausgaben haben werden. Im Hinblick darauf, dass uns als nächstes die USA und Kanada bevorstehen, ist das vielleicht gar nicht so schlecht…

Falls du uns für die 234567 Stunden Arbeit etwas zugutekommen lassen möchtest, weil du Freude an unseren Geschichten hast: Du kannst uns ein Brötchen spendieren, wenn du magst (Wird garantiert nicht für Brötchen, sondern für Bier ausgegeben).

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2 Comments

  1. Marco

    Finde es schön und auch spannend das ihr offen über die Kosten eurer Reise sprecht.
    Klar, man kann von anderen Reisenden nicht auf die eigenen Kosten zurückschliessen, doch es ist für einige sicher schon einmal ein Anhaltspunkt womit man zu rechnen hat.

    Aus meiner eigenen Reiseerfahrung, weiss ich dass ich mehr brauchen würde, aber diese Erfahrungen beruhen auch auf andere Regionen bzw. Kontinente.

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    • Nicki

      Ich glaube, es ist zudem auch etwas teurer, wenn man alleine statt zu zweit unterwegs ist (natürlich pro Person).

      Reply

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