Vulkanausbrüche, Regenwald und Maya-Ruinen – der Geschmack Guatemalas

Guatemala setzt neue Maßstäbe dabei, uns in’s Schwitzen zu bringen: es ist tropisch, feucht und heiß. Hächelnd stehen wir am Grenzposten, wo sonst nicht viel los ist. Die Gebühren für den Motorradimport sollen im guatemaltekischen Quetzal gezahlt werden – doch woher soll man den haben, wenn man noch gar nicht im Land war? Kartenzahlung akzeptieren sie nicht.

Immerhin darf ich die zwei Kilometer zum nächsten Geldautomaten laufen – in Motorradhose und Stiefeln. Ich habe bestimmt zwei Liter Schweiß verloren, als der Papierkrieg beendet ist. Nun dürfen wir mit den Motorrädern einreisen in Land Nummer 17 auf dieser Reise.

Guatemala – der geographische Mittelpunkt des amerikanischen Doppelkontinents. Auf den ersten Kilometern werden wir begrüßt von fröhlichen Kindern und langzöpfigen Frauen, die Körbe voller Mais auf den Köpfen tragen. Der Nordosten des Landes, durch den wir zunächst von Belize aus fahren, ist besonders schwül und zu großen Teilen mit Regenwald bedeckt. Eigentlich nicht unser bevorzugtes Klima, doch es locken kulturelle Schätze: die Ruinen der Maya.

Ganz nach unserem Geschmack

Uns treibt es nach Yax-Ha und Tikal, wo wir nicht nur direkt mit den Motorrädern vorfahren, sondern sogar unser Zelt aufschlagen dürfen. Beim Besuch der eindrucksvollen Ruinen sind wir dann auch noch fast alleine – und beobachten so viele wilde Tiere wie sonst nirgendwo.

Die Stätte Yax-Ha liegt zwischen zwei Seen und hatte ihren Höhepunkt zwischen 700 und 900 n. Chr.
Es gibt tausende von antiken Strukturen in der gesamten Region
Nur ein Bruchteil wurde bisher durch jahrzehntelange archäologische Arbeit ausgegraben
Ab Sonnenuntergang beginnt das Konzert der Brüllaffen
Den Tieren zuliebe ist langsames Fahren in den Nationalparks vorgeschrieben
Der bekannteste Stufentempel von Tikal ist 47 Meter hoch
Wie auch schon bei Machu Picchu ist es die spektakuläre Umgebung, welche uns besonders fasziniert
Neben Nasenbären entdecken wir auch ein Aguti, Tukane, einen Specht und verschiedene Papageien
Mindestens 50.000 Menschen sollen allein in Tikal gelebt haben

Böse Wellen

Drei Tage lang sind wir mitten im Dschungel, dann will uns der Regen nicht mehr von der Seite weichen. Wir geben uns geschlagen und fahren nach Guatemala-City. Nach einigen Kilometern quer durch’s Land wird deutlich, wie ungleich Besitz in Guatemala verteilt ist: während wir auf der Überlandfahrt nicht wenige abgewrackte Wellblechhütten passiert haben, verstecken sich die Besserverdienenden in den Gated Communities der Hauptstadt. Beides auf eigene Art schrecklich.

Der Grund, warum wir uns überhaupt in eine Großstadt wagen, ist meistens die Motorradwartung. Mich versetzt das schon immer vorher in schlechte Laune, denn ich kann Schraubertage nicht leiden. Mit mehr als 10.000 zurückgelegten Kilometern steht jedoch eine Inspektion für beide Tiger an.

Zudem muss auch mein Seitenständer repariert werden, der einer Bodenwelle zum Opfer gefallen ist. Das sind extrem fiese Teile, die wir schon aus Südamerika kennen. Die Topes – wie sie hier genannt werden – sollen der Geschwindigkeitsbegrenzung dienen und tauchen oft ohne Ankündigung oder Markierung auf. Nun sind manche Topes in Guatemala auch noch so hoch, dass mein Tiger unten aufsetzt.

Reisezeit verbringe ich am liebsten fern von Werkstätten

Bitte keine Emanzipation

Doch nun zurück zur Misere mit den Werkstätten: Am liebsten würde ich die Moppeds bei Profis abgeben und in Ruhe einen Kaffee trinken gehen. Aber so läuft das leider nicht, wenn das Budget klein ist: wir müssen selbst erledigen, was wir können. Und mit “wir” meine ich eigentlich Moe, dem ich gerne dabei zuschauen würde. Von mir aus kann ich ihm auch den Schraubschlüssel anreichen und gute Ratschäge geben – mehr aber bitte nicht. Doch das stellt er sich anders vor. Zu meinem Leid wünscht sich Moe mehr Gleichstellung beim Schrauben.

Kann ich nachvollziehen. Trotzdem mag ich es nicht. Ich finde, dass meine Zeit mit anderen Dingen wesentlich besser genutzt wäre. Doch wer sein Mopped liebt, der schraubt, oder so ähnlich…

Ein Virus macht sich breit

Beunruhigende Nachrichten: Das fiese Corona-Virus ist weltweit auf dem Vormarsch und wir verfolgen, wie eine Grenze nach der anderen dicht macht. Da wir die USA und Kanada im Sommer bereisen möchten, sollten wir also lieber früher als später nach Mexiko zurück. Dort wäre es nicht so tragisch, erstmal festzustecken. Es gibt ohnehin noch vieles, was wir uns anschauen möchten.

Nach und nach wird eine Frage immer größer: Wie geht es mit der Reise weiter?

Fuego

Doch vorher besuchen wir noch einen Ort, von dem wir schon lange träumen – wir besteigen den Acatenango. Der fast 4000 Meter hohe Vulkan in Zentral-Guatemala ist einmalig, weil er den perfekten Blick auf seinen Nachbarn, den Vulkan Fuego, bietet.

Fuego, das bedeutet Feuer – und der Name ist Programm! Wann bekommt man schon mal einen Vulkanausbruch mit eigenen Augen zu sehen? Wir stellen die Moppeds ab, packen die Rucksäcke und laufen mit Zelt und Fotoausrüstung hoch.

Gegen Mittag starten wir in brütender Hitze…
…und kommen fünf Stunden später oben an.
Der Weg ist sehr hübsch und es sind nur relativ wenige Menschen unterwegs
Absichtlich gehen wir auf die andere Seite des Berges, wo keine Camps der geführten Touren sind

Eine Show sondergleichen

Gerade rechtzeitig vor Sonnenuntergang schaffen wir es, unser Zelt am Berghang aufzustellen. Zu unserer großen Freude sind wir fast alleine, doch es besorgt uns, dass wir den Fuego nicht sehen können. Eine dicke Wolkendecke verweigert uns die Sicht. Immerhin kann man ihn hören und das geht schon extrem unter die Haut.

Wir können daher nur grob schätzen, wie wir unseren Zelteingang und das Stativ positionieren müssen. Ich bin vom Aufstieg noch völlig groggy, doch trotzdem aufgeregt, so nah an einem so aktiven Vulkan zu sein.

Schnell wird es kalt und wir verkriechen uns in die Schlafsäcke, um etwas zu essen. Währenddessen hoffe ich, endlich sehen zu können, was dieser Mordslärm verheißt.

Und dann, als der Himmel in ein dunkles blau taucht, wirkt die Magie: Plötzlich sind alle Wolken verschwunden und wir schauen direkt auf Fuego.

Die ganze Nacht lang sind wir Zeugen von gewaltigen Ausbrüchen – einer größer und schöner als der andere. Hin und wieder dösen wir weg, um wieder vom Feuerwerk geweckt zu werden. Es erfüllt mich mit großer Ehrfurcht, diesem Schauspiel beizuwohnen. Im Nachhinein bin ich noch immer sehr ergriffen, wenn ich an diese besondere Nacht denke.

Ein Bild, das bei mir Gänsehaut auslöst

Erschöpft steigen wir am nächsten Morgen aus dem Zelt, um die letzten dreihundert Meter auf den Krater des Acatenango zu steigen. Es ist wahnsinnig kalt und windig, vor allem aber einfach surreal, wie atemberaubend dieser Ort ist.

Auch zum Sonnenaufgang brodelt es noch im Fuego
Traumkulisse in wechselnden Farben – besser kann es nicht sein
Weite Sicht und dünne Luft auf 3976 Metern Höhe 

Vom Tourismus versaut

Nachdem sich die Lage in den umliegenden Ländern weiterhin zugespitzt hat, müssen wir uns nun wirklich beeilen, Guatemala zu verlassen.

Auf dem Weg zur Grenze beschließen wir, unsere letzte Nacht am Atitlán-See zu verbringen. Recht viel Gutes hatten wir von anderen Reisenden über den See gehört. So kam das Gefühl, dass wir ihn zumindest auch mal gesehen haben sollten.

Doch dann wir sind von diesem Abstecher maßlos enttäuscht. Klar, die Landschaft des Sees mit den Vulkanen ist wunderschön, doch aus unserer Sicht ist es einfach nur extrem touristisch. Hier war es vielleicht vor zwanzig Jahren mal schön. Zeigt mal wieder, wie weit die Meinungen darüber auseinander gehen können, was ein ruhiger Ort ist. Vielleicht sind wir aber auch einfach nur in der falschen Ecke gelandet.

Ein letzter kurzer Stopp im vermeintlichen Paradies

Obwohl uns der unsympathische Besitzer des Campings unbedingt davon überzeugen möchte, noch länger zu bleiben, ergreifen wir Tags drauf die Flucht. Zu groß ist die Angst, nicht mehr aus Guatemala raus zu kommen. Und es war die richtige Entscheidung: nur einen Tag später sind die Grenzen dicht.

Auch wenn uns nicht viel Zeit in diesem Land gegönnt war, hat uns diese Kostprobe von Guatemala schon sehr gefallen. Schön wär’s, wenn wir irgendwann noch einmal zurückkehren könnten. Doch nun steht uns erstmal eine riesige Veränderung auf dieser Reise bevor…

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