Morgens packen wir unsere Sachen, verabschieden uns von Matthias, seiner Familie und dem Schweizern und machen uns los auf den Weg Richtung Argentinien. Nur der Rio Uruguay ist uns noch im Weg. Dieser Grenzfluss trennt die beiden Länder. Es gibt für uns prinzipiell drei mögliche Wege, um ihn zu überqueren: Eine Fähre von Montevideo nach Buenes Aires, eine Fähre von Colonia, oder über eine Brücke in Fray Bentos. Da die Fähren für unsere Verhältnisse sehr teuer sind, nehmen wir gerne den Umweg über Frey Bentos in Kauf. Ewig fahren wir auf kerzengeraden Straßen in den Norden. Gut, dass wir uns mit dem Fahren abwechseln können. Für Nicki ist es eine ganz neue Erfahrung, mit Gepäck und Sozius zu fahren, ich hab mich hinten aber immer sicher gefühlt und auch für mich eine völlig neue Perspektive kennengelernt (Nicki: Ich habe sehr großen Respekt vor Moe, dass er dieses schwere Teil sicher durch das Gelände bringt. Ich fahre vorerst nur auf Asphalt, um mich langsam an das Gewicht zu gewöhnen. Es ist etwas völlig anderes, mit so einem schweren Motorrad zu fahren und kostet unheimlich viel Kraft!).

Ein schwieriger Start in Argentinien

Als wir die argentinische Grenze erreichen, verläuft alles sehr unkompliziert. Die Pässe werden abgestempelt und unsere uruguayischen Einfuhrdokumente für den Tiger werden durch argentinische ersetzt.

Hinter der Grenze wird es spannend. Die Gegend ist unter Reisenden bekannt für die korrupte Polizei. Insbesondere an der berüchtigten Ruta Catorce sollen sich die Sheriffs zum Ziel gemacht haben, Ausländer um ihre Pesos zu erleichtern. Das wollen wir nicht unterstützen und versuchen, über Nebenstraßen die Polizeicheckpoints zu umfahren.

Auf der Karte haben wir uns einen Weg rausgesucht, der uns auf einen Abschnitt unterhalb des Checkpoints führt. Es sieht so aus, als könnten wir die kritische Stelle damit umfahren. Um dorthin zu gelangen, geht es durch die Felder. Die Offroad-Pisten hier sind schon anspruchsvoller, als die in Uruguay und dem Tiger macht es Spaß durch’s Gelände zu krabbeln. Einige Beinahe-Stürze kann ich noch gut auffangen. Schließlich erreichen wir die Ruta Cartorce. Leider kommen wir entgegen unserer Erwartung nicht nach links, da die beiden Fahrspuren genau hier durch eine Leitplanke voneinander getrennt sind. Nach rechts wollen wir auf keinen Fall, da wir sonst genau in den Checkpoint geraten würden. Als wir sehen, dass wir in Richtung Checkpoint nicht mehr umdrehen können, fahre ich quer über ein Feld neben der Schnellstraße zurück bis zu einer Tankstelle. Dort biegen wir wieder auf einen sandigen Feldweg, um etwas weiter unten auf die Ruta Catorce aufzufahren und die kritische Stelle umfahren zu können. Plötzlich aber kommt tiefer Sand und ich kann das Motorrad nicht mehr halten. Wir liegen am Boden, sind aber unverletzt. Am Tiger hingegen verbiegt sich eine Befestigung vom rechten Seitenkoffer. Da es schon bald dunkel wird und wir in der Pampa stecken, bleibt nichts anderes übrig: Wir machen ein Foto, stellen das Motorrad auf und legen den Seitenkoffer auf den Soziussitz. Ich fahre im Schritttempo zurück zur Tankstelle und Nicki läuft nebenher um den Koffer zu halten. Das ist zwar sehr anstrengend, aber wir kommen vorwärts.

Sturz

Der erste Sturz unserer Reise, er wird nicht der letzte sein

Kofferhalterung

Der Koffer hat beim Sturz etwas gelitten

Als wir die Tankstelle erreichen ist es komplett dunkel. Den Koffer können wir erst morgen begutachten. Und so errichten wir unser Camp am bisher romantischsten Platz unserer Reise.

Tankstelle

Wer braucht schon einen Campingplatz?

Beim Kochen werden wir aufmerksam von drei streunenden Hunden beobachtet. Einer, der besonders zerzaust aussieht und sich andauernd so kratzt, als hätte er Flöhe, wird uns künftig nicht mehr von der Seite weichen (Nicki: Oben auf dem Bild ist er erstaunlich weit von der Fotografin entfernt :P. Sonst ist er mir sogar bis auf’s Klo gefolgt…).

Ein Ölwechsel kann schon nicht so schwierig sein, oder?

Nach einer ruhigen Nacht stehen wir auf und werden immer noch von diesem Hund belagert. Wegschicken lässt er sich nicht. Mit einer Zange lässt sich der Koffer schnell reparieren. Wir beschließen, die Zeit an der Tankstelle zu nutzen, um einen Ölwechsel durchzuführen, den wir eigentlich bereits in Deutschland noch vor der Abfahrt erledigen wollten. Das Öl schleppen wir schon die ganze Zeit mit uns rum (Nicki: Als wär das Mopped nicht schon genug beladen…). Dummerweise bricht das Gewinde der Ablassschraube beim Aufschrauben und wir können die Ölwanne nicht mehr abdichten. Irgendein Depp hat wohl gerade mit zu viel Kraft an der Schraube gedreht. Nach ganz fest kommt ganz locker… Unsere Versuche, sie mit 2-Komponentenmetall festzukleben, scheitern. Vier Liter frisches Motoröl landen in einem wasserdichten Packsack (Nicki: Sorry an dieser Stelle an SW-MOTECH für die Zweckentfremdung des Packsacks :D). So wie die Suppe da raus läuft, können wir nicht durch die lange Strecke Tiefsand bis zu einer Werkstatt in der Stadt fahren. Die Alternative, so geradewegs durch den Checkpoint zu fahren, kommt gar nicht erst in Frage.

Franco, ein Angestellter der Tankstelle hat Mitleid und möchte uns helfen, hat aber erst abends um neun Uhr Feierabend. Also verbringen wir den Nachmittag mit unserem neuen Freund, dem Zottelhund an der Tanke. Abends kommt Franco vorbei und bringt ganz viel 2-Komponentenmetall mit. Statt wie ich, das Zeug zaghaft um das Gewinde zu schmieren, kleistert er die ganze Ölwanne damit voll. Ich bin zuversichtlich, dass das hält. Mit dem Problem, dass man jetzt kein Öl mehr ablassen kann, müssen wir uns die nächsten 10.000 km nicht beschäftigen. Wer weiß, vielleicht wird eine Bohrmaschine dabei behilflich sein.

Ölwechsel

Da läuft die Suppe

Es ist spät, also verbringen wir eine zweite romantische Nacht an der Tankstelle. Immerhin einer freut sich darüber: Zottel bleibt als braver Wachhund die ganze Nacht vor unserem Zelt liegen.

Als wir am nächsten Morgen wieder etwas Öl nachfüllen, erkennen wir die unbequeme Realität: Eine zähe, honiggelbe Flüssigkeit tropft den 2-Komponentenbrei herunter. Dicht ist das nicht. Ein kleiner Riss sorgt für den Ölverlust (Nicki: An diesem Punkt gebe ich entgültig die Hoffnung auf). Was hilft dagegen? Noch mehr Flüssigmetall. Ich trockne und säubere die Masse wieder und schmiere noch mehr auf die Ölwanne. Eine Stunde warten wir bis das Zeug trocknet und riskieren einen neuen Versuch, das Öl nachzufüllen. Und – oh Wunder – es hält endlich dicht. Die Tanke verkauft uns ihre letzten drei Liter Öl. Der Tiger will eigentlich mehr, aber das muss bis zur nächsten Tankstelle reichen. Um der Polizei nicht in die Hände zu laufen, geht es wieder in die Felder mitten über die Sandpiste. Da müssen wir jetzt durch. Während wir in der Hitze brutzeln, frage ich mich, ob der Tiger uns trägt oder wir nicht eher das Motorrad. Nicki muss häufig absteigen und nebenherlaufen. Das ist Moppedhiking! Als wir nach gefühlt drei Stunden Schritttempo und zwei Stürzen die asphaltierte Straße erreichen, sind wir beide mit unseren Kräften am Ende. Über die Schnellstraße fahren wir zur nächsten Tanke, um das restliche Motoröl aufzufüllen. Dort spricht uns Marcelo an, ein freundlicher Argentinier, der begeistert vom Motorrad ist. Er sagt, er sei Mechaniker und wenn wir mal irgendwas am Motorrad haben, könnten wir ihn jederzeit ansprechen und gerne auch in Buenos Aires besuchen. Er hätte Kontakte überall in Argentininen und dann sagt er, – ohne Scheiß – falls wir mal einen Ölwechsel bräuchten, würde er das gerne jederzeit für uns machen…

Weiter geht’s nach San Antonio de Areco, hier wurde der Stadtpark informell in einen sehr belebten kostenlosen Campingplatz umgewandelt. Erschöpft vom Tag bauen wir dort unser Lager auf und lassen den Abend ausklingen, während wir mit Musik von einer Bühne in der Nähe beschallt werden.

Wäsche

Wäsche waschen musste auch noch sein

Hobokocher

Die Mahlzeit haben wir uns verdient