Wir verabschieden uns von Gaston, dem netten Besitzer des Hostels, in dem wir die letzten beiden Tage verbracht haben und fahren in Richtung einer Loberia. So werden hier die Orte genannt, an denen man Seelöwen beobachten kann. Eine kleine Schotterpiste führt uns an das Ziel. Sobald wir vom Mopped absteigen, hören wir kräftige Rülpslaute und tatsächlich kommt man recht nah an die Seelöwenkolonie heran. Neben uns sind unzählige Touristen, die in großen Bussen herangekarrt werden.

Ein paar Fotos später geht es weiter Richtung Süden. Die Straße führt uns kilometerlang geradeaus an der Küste entlang. Alle halbe Stunde gibt es eine Kurve, die so groß angekündigt wird, als wäre sie die gefährlichste Kurve, die es je gegeben hat. Doch dies und der patagonische Seitenwind ändern nichts an der langweiligen Fahrt. Das Fahren an der Küste macht mich müde.

Ruta 3

An das Geradeausfahren muss man sich gewöhnen, wenn man die Ruta 3 fahren möchte

Chillin with the Lobos

Doch dann trauen wir unseren Augen nicht: Direkt neben uns am Strand sehen wir unzählige Seelöwen. Ganz ohne Touribusse und Aussichtsplattformen. Wir können uns den Lobos bis auf 3 Meter nähern, ohne dass sie sich im Geringsten durch uns gestört fühlen. Stundenlang könnten wir hier sitzen und diese spannenden Tiere beim Schwimmen, Kuscheln und Rülpsen beobachten. Kein Vergleich zu unseren vorherigen Seelöwenbegegnungen. Doch irgendwann müssen wir leider weiter, denn wir wissen noch nicht, wo wir in der Nacht unterkommen werden.

Seelöwen

So nah sind wir noch nie an die faszinierenden Seelöwen herangekommen

Wie viel der wohl wiegen mag?

Unglaubliche Hilfsbereitschaft

Plötzlich fühle ich, dass das Motorrad unruhig wird. Wir halten am Straßenrand an und bocken den Tiger auf den Hauptständer. Schnell stelle ich fest, dass das Hinterrad in der Schwinge hin- und herwackelt. Kaum rolle ich unser Werkzeug aus, hält ein Argentinier mit Motorradanhänger an. Er stellt sich als Leonardo vor und fragt, ob alles in Ordnung ist. Ich zeige ihm unser Problem mit dem Hinterrad. “Peligroso” lautet seine Analyse und ohne zu zögern lädt er seine Kawasaki vom Anhänger und spannt unseren Tiger auf. Er möchte uns zur nächsten Werkstatt bringen, die knapp 200km entfernt ist. Da auf dem Anhänger nur Platz für ein Motorrad ist, stellt er mich vor die Wahl: Ob ich lieber das Auto mit dem Anhänger oder sein Motorrad fahren möchte. Ich zögere nicht lange und setze mir den Motorradhelm wieder auf. Nicki steigt auf den Beifahrersitz neben Leonardo, sein kleiner Sohn Bruno sitzt hinten. Ich fahre hinterher. Es ist eine angenehme Abwechslung, mal ein kleines, leichtes 250ccm Motorrad statt den vollbeladenen Tiger zu fahren. In Kurven merke ich aber schnell, dass man mit dem Tiger mehr Spaß hat, als mit der kleinen Kawasaki Versys.

An der Werkstatt angekommen, begrüßt uns sogar ein “Triumph-Service”-Schild. Das hätte ich nicht erwartet, Triumph Motorräder sind eher eine Seltenheit in Argentinien. Leonardo nimmt sich sogar noch die Zeit und erklärt dem Mechaniker unser Anliegen. Nachdem wir uns herzlich bedanken und Kontaktdaten austauschen, macht er sich wieder auf den Weg nach Hause. Wir sind begeistert von der selbstverständlichen Hilfsbereitschaft, die uns entgegengebracht wird. Nicht einmal Spritgeld möchte Leonardo annehmen. Da es schon spät ist, macht die Werkstatt Feierabend und wir müssen in einem für unsere Verhältnisse viel zu teurem Hotel unterkommen (der Preis scheint uns auch angesichts des Hotelzimmers völlig überzogen, aber wir haben nicht wirklich eine Wahl).

Werkstatt in Argentinien

Die Deutschen und ihr voll beladenes Motorrad erregen die Aufmerksamkeit der Mechaniker

Am nächsten Tag überlegen wir, was wir machen, wenn es in der Werkstatt länger dauert. Ob wir ein Fahrzeug mieten sollen und wo wir übernachten können. Mehr Nächte in dem überteuerten Hotel wollen wir nicht verbringen. Doch zu unserer Überraschung müssen wir nur knapp eine Stunde in der Werkstatt warten, dann können den Tiger wieder mitnehmen. Das hintere Radlager war gebrochen. Möglicherweise war es schon sehr alt und von unserem Gewicht überfordert gewesen.

Knapp 200 unspektakuläre Kilometer geht es weiter, bis wir in der Einöde einen nicht eingezäunten Platz finden und unser Lager aufschlagen. Obwohl uns die Kulisse sehr gut gefällt, gut schlafen können wir hier nicht. Der Platz ist winding und der Boden uneben.

Einöde

Schutz vor dem Wind sucht man hier vergebens

Kleine Geburtstagsparty

Am nächsten Tag werden wir von Regentropfen auf der Zeltplane geweckt. Da wir mitten auf einem Feld stehen, packen wir schnell alles zusammen, um loszukommen, bevor der Untergrund matschig wird. Mittlerweile sind wir echt routiniert, schnelles Packen klappt ganz gut. Es ist unser erster Regen, seit wir in Südamerika angekommen sind. Wieder geht es über die Ruta 3 weiter Richtung Süden. An einem Fluss wartet ein besonders schöner Wildcampingplatz auf uns. Ein guter Ort, um mit einer Flasche patagonischem Wein und Kuchen auf Nickis Geburtsag anzustoßen. Wer braucht schon Weingläser? Schmeckt auch aus unseren Kunstoffbechern.

Lagune

Ein guter Platz, um Nickis Geburtstag zu feiern