Irgendwie reizt es uns, zum südlichsten Punkt der Welt zu fahren, den man mit dem Motorrad erreichen kann. Vor allem, weil es dort sehr einsam und schön sein soll. Also geht es nun für uns quer über die ganze Insel runter bis nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der “Isla Grande de Tierra del Fuego” und von ganz Amerika.

Feuerland besteht aus einem chilenischen und einem argentinischen Teil. Die Fähre liegt in Chile, also müssen wir erst mal nach Chile immigrieren. An der Grenze angelangt, geht alles recht schnell, denn die Grenzbeamten beider Länder sitzen in einem Gebäude. Insgesamt verbringen wir knapp eine halbe Stunde mit dem Abstempeln unserer Reisepässe und dem Import des Tigers. Als wir den Grenzübergang passieren, wirft ein Zollbeamter nur einen flüchtigen Blick in die Zusatztaschen auf den Motorradkoffern. Obst, Gemüse und Fleisch dürfen aus hygienischen Gründen nicht mit auf die andere Seite gebracht werden. Wir dürfen durch und weiter geht’s zur Fähre.

Nehmt uns mit, ihr Schweine!

Als wir am Fährhafen ankommen, haben wir wohl gerade eine Fähre verpasst, denn außer uns sind nur drei Autos da. Wir stellen uns in der Schlange an und warten auf die nächste. Nach uns kommen dutzende Autos und Motorradfahrer. Viele Großenduristen aus Mexiko und Brasilien. Mit unserem vollbepackten Tiger und deutschem Nummernschild kommen wir schnell ins Gespräch und machen nette Kontakte. Nach einer gefühlten Ewigkeit fährt endlich die Fähre im Hafen ein. Als wir auffahren wollen, werden wir zur Seite gewinkt. Motorradfahrer dürfen erst zuletzt auf das Schiff. Ehe wir uns versehen, ist die Fähre mit Autos voll. Wir trauen unseren Augen nicht, als sie plötzlich ohne uns ablegt und der Penner, welcher uns zur Seite schickte, frech zum Abschied winkt (die Jungs vom ADV-Motero Magazin haben diese Situation in einem Schnappschuss auf Instagram festgehalten). Unglaublich angepisst bleibt uns nichts anderes übrig, als auf die nächste Fähre zu warten. Als sie kommt, haben wir schon wieder Pech, es werden diesmal nur LKWs aufgeladen. Mit knapp 20 anderen Motorrädern stellen wir uns demonstrativ in die vorderste Reihe. Noch einmal lassen wir uns nicht abweisen. Wir warten insgesamt schon bestimmt anderthalb Stunden, als die Fähre endlich eintrifft. Ein Motorradfahrer beschwert sich beim Fährpersonal, doch eine Entschuldigung gibt es nicht. Immerhin können wir jetzt mitfahren und kommen endlich auf die andere Seite.

Langes Warten vor der Fähre

Afrikareisende in Südamerika

Unser erstes Ziel ist die Touristeninformation von Cerro Sombrero. Der Bürgermeister hat hier kostenlose, öffentliche Badezimmer mit warmen Duschen für Reisende eingerichtet und hinter dem Gebäude darf man geschützt vom Wind sein Zelt aufschlagen. Dort erblicken wir einen großen Landcruiser mit frankfurter Kennzeichen. Das Auto gehört Dela und Marc und wir werden von ihnen direkt auf ein Bier eingeladen. Die beiden sind schon von Kolumbien bis in den tiefsten Süden Feuerlands und in die Antarktis heruntergekommen. Fasziniert lauschen wir ihren Reisegeschichten und verbringen einen sehr schönen Abend. Die beiden nennen sich “Africacruiser”. Ihre erste Reise mit dem Wagen ging von Deutschland bis nach Südafrika. Ein Blick in ihren Blog lohnt sich nicht nur für Reise-Interessierte 😉 .

Königspinguine sind ja noch cooler als ihre kleinen Verwandten

Als nächstes wollen wir eine Pinguinkolonie besuchen. Wenn man keinen Trip in die Antarktis macht, kann man nur hier auf Feuerland Königspinguine sehen. Das lassen wir uns nicht entgehen. Der Eintritt ist zwar nicht ganz günstig, aber egal, so schnell kommen wir hier nicht wieder hin. Ein Besuch lohnt sich. Die Pinguine hier sind viel größer als die kleinen Magellanpinguine auf Valdes und es macht unglaublich viel Spaß, den ulkigen “Vögeln” bei ihrem Treiben zuzusehen. Praktischerweise finden wir ein paar Kilometer weiter einen fantastischen, verlassenen Platz zum Wildcampen. Die Landschaft hier erinnert uns ein wenig an Schottland (auch wenn wir beide noch nie in Schottland waren, aber es sieht hier alles ein bisschen aus wie in Braveheart).

Kurz vor’m Ziel

Da haben sich wohl zwei Männchen (hinten) um das Weibchen (vorne) gekabbelt. War sehr amüsant, sich das anzuschauen

Nach dem Ausflug in’s Wasser

Wer genau hinschaut, erkennt auch die Kleinen 🙂

Die Wildpferde kamen anschließend auch nachts auf einen Besuch am Zelt vorbei…

Mit dem Motorrad im Sägewerk

Um nach Ushuaia zu kommen, müssen wir auf die argentinische Seite Feuerlands wechseln. Es gibt mehrere Grenzübergänge. Dela und Marc hatten uns empfohlen, den südlichsten Grenzübergang zu nehmen. Die Schotterstraße soll schön und die Grenze sehr entspannt sein. Also machen wir uns auf den Weg und die beiden behalten Recht. Viele Kilometer lang fahren wir durch eine fantastische Landschaft. Tankstellen sind rar und wir müssen jede Gelegenheit zum Wiederauffüllen nutzen. Ein unscheinbares Tankstellenschild führt uns direkt in den Wald. Wir folgen der Straße, finden vor uns aber keine Tanke, sondern ein kleines Sägewerk. Auf dem Gelände steht aber auch eine Zapfsäule. Die Arbeiter hier verkaufen Benzin an Reisende, die sich in diese abgelegene Gegend verirren. So richtig fühlt sich aber keiner für uns zuständig. Wir laufen etwas auf dem Gelände herum, finden aber niemanden, der für uns tankt (in den Teilen Südamerikas, in denen wir beisher waren, darf man nirgendwo selbst tanken, man wird von Tankwarten bedient. Diese entschleunigen den Tankprozess ungemein und man kann sich bei Tankstopps häufig richtig Zeit lassen). Im Sägewerk gibt es aber keinen Tankwart und außerdem ist Siesta. Also warten wir, bis ein Arbeiter aus seiner Mittagspause zurückkommt, um uns den Tank vollzumachen. Bis wir jemanden finden, bei dem wir bezahlen können, dauert es dann auch nur noch knapp eine halbe Stunde…

Hier macht Moppedfahren richtig Spaß!

Beim Sägewerk tankt man nicht alle Tage

Kurz hinter dem Sägewerk ist der Grenzposten. Bevor wir aber nach Argentinien kreuzen, wollen wir noch an den südlichsten Punkt Chiles fahren (ebenfalls eine hevorragende Empfehlung von Dela und Marc!). Dieser befindet sich in einem wunderschönen Nationalpark mit kurvigen Offroad-Serpentinen. Und da die Straße an ein sogenanntes Dead-End führt, herrscht hier auch nicht viel Verkehr. Wir übernachten am Ende der circa 90 km langen Strecke, direkt am Rio Fagnado.

Wir erblicken zum ersten Mal schneebedeckte Gipfel

Eine tolle Spiegelung im Bergsee

Hier haben wir unser Zelt aufgeschlagen: Ganz schön windig, aber der Ausblick ist super

Die ersten Schotterserpentinen lassen sich wunderbar fahren

Nach Ushuaia und “ans Ende der Welt”

Am nächsten Tag soll es dann aber wirklich nach Argentinien und an das sogenannte “Ende der Welt” gehen.

Zu diesem Begriff hat Nicki ihre Gedanken in einem  Facebook-Post abgesetzt.

An der Grenze klappt alles wirklich schnell und über holprigen Schotter und kurvigen Asphalt geht es nach Ushuaia. Die Stadt lässt uns unbeeindruckt und wir tanken, posen ein bisschen vor dem “Stadttor” und hauen ganz schnell wieder ab. Schließlich wartet das “echte Ende der Welt” auf uns. Über die Ruta Provinicial J kommt man nämlich noch südlicher als Ushuaia. Das allein ist natürlich nicht unsere Motivation: Die Straße führt durch eine einzigartige und einsame Landschaft und der gute Schotter ist ein Riesenspaß mit dem Motorrad. Das reizt uns viel mehr als große Touri-Städte. Bevor es dann wieder in den Norden geht, verewigen wir uns am südlichsten Punkt der Insel.

Ein toller Zeltplatz am See auf dem Weg nach Ushuaia

Es gefällt uns so gut, dass wir auch auf dem Rückweg noch einmal hier übernachten

Wenigstens ein Beweisfoto muss sein

Auch einen Triumph Store gibt es in Ushuaia

Hier ist dann das “wahre Ende der Welt”, weiter südlich geht’s nicht mehr. Welcher Schelm hat denn das Moppedhiker-Logo im Bild versteckt?

In der Nacht wird haben wir mal wieder einen Aufpasser, der sich die Reste aus der Thunfischdose unter den Nagel reißt, während wir im Zelt liegen

Auch am “Ende der Welt” sind wir einigen Wildpferden begegnet.

Der Wind hinterlässt überall seine Spuren

Tolle Ausblicke gibt’s an jeder Ecke