Dies ist die Fortsetzung des ersten Teils der Wanderung, zu dem ihr hier gelangt.

4. Tag – 20 Kilometer: Besuch von den Kondoren

Nach dem Erholungstag am Fuße des Vulkans Descabezado brechen wir schon früh morgens auf. Die neu gewonnene Kraft wollen wir nutzen, um mehr als eine vorgesehene Tagesetappe voranzukommen. Wenn wir schon nicht den Vulkan besteigen konnten, so wollen wir es heute wenigstens bis zu den nächsten heißen Thermen schaffen. Die Gauchos hatten uns erzählt, dass diese viel heißer und schöner als die ersten sein sollen. Ich habe die Hoffnung auf ein erholsames Bad in den natürlichen Becken noch nicht aufgegeben.

Als wir die Rucksäcke aufziehen, ist es noch dunkel. Der kalte Morgenwind weht uns entgegen, während wir uns mit den ersten Schritten auf den langen Tagesmarsch begeben. Die gewaltige Berg- und Vulkanlandschaft wirkt noch verschlafen, ist in ein völlig anderes Licht getaucht. Es ist fast wie eine andere Welt, in die wir eintauchen.

Noch versteckt sich die Sonne hinter den Bergen

Doch nun ist es auch kein leichtes Unterfangen mehr, den richtigen Weg zu finden. Viele sind vor uns wohl nicht mehr hier entlang gewandert. Fußspuren nur noch spärlich erkennbar, der Weg ist immer seltener durch Steinmännchen markiert. Wie viel Zeit und Nerven uns das später noch kosten wird, ahnen wir hier noch nicht im Geringsten…

Heute laufen wir auf Bimsstein. Von Weitem könnte man die feinen, weißen Steinchen fast mit Schnee verwechseln. Tatsächlich läuft es sich auf diesem Untergrund jedoch ganz anders, mehr wie an einem tiefen Sandstrand. Durch das Einsinken ist jeder Schritt um ein vielfaches anstrengender als auf festem Untergrund. Meinem verletzten Fuß tut es jedoch ganz gut, in dieses sanfte Kissen einzusinken. Moe läuft weiter vorne, denn hinter jedem seiner Schritte steigen große Staubwolken auf, die ich sonst direkt einatmen würde. Wie auch die letzten Tage ist der Himmel wolkenfrei.

Hier ist der Weg noch gut markiert

Und weiter geht’s

Einsam durchstreifen wir eine unglaubliches Bergtheater, dass sich entlang der Bimssteinwüste erstreckt. Noch nie habe ich etwas vergleichbares gesehen. Dem Himmel so nah zwischen den unberührten, schneebedeckten Gipfeln umherzuwandeln ist ein phantastisches Gefühl. Und auch wenn ich anderen, schon lange vergangenen Fußspuren folge, fühlt es sich doch wie eine Expedition an.

Nun weiß ich, wofür ich vor zwei Tagen nicht aufgegeben habe. Warum ich mich ins Camp gequält und den Descabezado abgeschrieben habe.
Der Weg ist zäh und mühsam, doch endlich lohnt es sich und obwohl wir noch so viele Bilder machen, weiß ich, dass man dieses Gefühl hier oben nicht darin festzuhalten vermag. Es ist so still hier.

Wir befinden uns im Gebiet der Pumas – ob wir wohl einen treffen werden?

Wir laufen über unzählige Eisfelder. Die Sonne reflektiert mittlerwile so stark, dass ich meine Augen zeitweise schließen muss. Vor lauter Anstregung wird mir allmählich schwindelig, übel und ich habe stechende Kopfschmerzen. Doch Zeit für lange Pausen gibt es nicht.

Von dem Aufstieg müde schreiten hoch oben auf einem riesigen Plateau voran. Und dann passiert es: Verschwommen sehe ich den ersten Kondor, auf dessen Begegnung wir so sehnlich gehofft haben. Moe und ich können unser Glück kaum fassen, als der sich der riesige Vogel mit seinen eindrucksvollen Flügeln nähert, um schließlich direkt über uns seine Kreise zu ziehen. Während Moe versucht, ein Bild zu schießen, drehe ich mich um und entdecke plötzlich weitere schwarze Punkte am Himmel: Eine ganze Schar von Kondoren ist auf dem Weg zu uns! Immer noch benommen schaue ich in den klaren Himmel und versuche sie zu zählen, während sie direkt über uns wie die Könige des Himmels umhergleiten. Es sind bestimmt fünfundzwanzig. Magische fünf Minuten dauert das Spektakel, bevor die Greifvögel über die nächste Bergkette reißaus nehmen.

Sie kommen!

Hallo, ihr fliegenden Freunde!

Für uns geht es jetzt wieder bergab entlang eines reißenden Bergflusses. Das macht im Bimsstein richtig Spaß, denn durch das Einsinken und Hinuntergleiten der Stiefel fühlt es sich ein bisschen wie Surfen an. Doch der Pfad ist mal wieder uneindeutig. Hier und da sind ein paar Fuß- und Pferdespuren, man kann zwischen verschiedene Wegen wählen. Dass wir uns so manches Mal für den falschen entscheiden, hat zur Folge, dass wir steile Abstiege wieder hochlaufen, den Flusslauf an tiefer Stelle überqueren und hunderte Male Karte und Kompass zücken müssen.

Als wir uns nach etlichen Stunden die erste Pause gönnen, ist es nicht mehr so weit bis zu heißen Thermen. Obwohl wir schon jetzt am Ende unserer Kräfte angelangt sind, träumen wir noch immer von dem heißen Bad am Ende eines anstregenden Tages. Dass man wegen des starken schwefeligen Geruchs eigentlich nicht in der Nähe zelten sollte, hält uns davon bestimmt nicht ab.

Zwei Kilometer vor dem Ziel, vernehmen wir schließlich den schwefeligen Duft, der uns die Thermen ankündigt. Mit schnellen Schritten hopsen wir talabwärts über die überfluteten Flussauen, damit unsere Stiefel nicht allzu tief im Matsch versinken.

Manche Steine rutschen weg, wenn man auf sie tritt

Endlich erreichen wir unser Ziel. Aus den verschiedenen Becken steigt qualmender Rauch auf. Hurra! Schnell bauen wir unser Zelt auf, bevor es runter zu den Thermen geht. Unten angekommen suchen wir zwischen dem kochenden Wasser, das aus den Felsspalten sprudelt, nach den Becken, können jedoch beim besten Willen keine finden. Egal an welcher Stelle, das Wasser viel zu heiß, um auch nur mit den Füßen reinzugehen. Moe will trotzdem einen Versuch wagen, doch noch während er in das kochende Wasser zu steigt, kommt auch schon die erste Spinne an ihm hochgekrabbelt. Nein, besonders einladend sieht dieser brodelnde Schwefelmatsch nun wirklich nicht aus. Schon wieder eine Enttäuschung.

5. Tag – 24 Kilometer: Am Abgrund

Auch der heutige Tag beginnt – Überraschung – mit einem anstrengenden und endlosen Aufstieg. Nun kraxeln wir entlang kleinster Pfade am Berghang entlang. Mir bleibt das Herz dabei so manches mal stehen. “Wenn du hier auch nur einen Schritt daneben trittst, dann ist alles vorbei” höre ich mich zu Moe sagen, während ich mich darauf konzentriere einen Fuß vor den anderen zu setzen, ohne rechts neben mich hinabzuschauen. Wieder einmal folgen wir Pferdespuren und ich kann’s einfach nicht fassen, wie man hier entlangreiten kann. An weniger gefährlichen Stellen bleibt dann auch Zeit, um durchzuatmen und sich den unfassbar schönen Ausblick ins Tal reinzuziehen. Einmalig.

Weit und breit ist keine Menschenseele zu entdecken

Nach einigen Stunden Aufsteig am Abhang sind wir endlich oben angekommen. Nun gibt es einen Gipfelschnaps, bevor wir den Abstieg antreten. Doch nur ein paar Meter weiter stellen wir fest, dass dies wohl noch lange nicht der höchste Punkt gewesen ist. Es geht noch viel, viel höher.

Immerhin läuft es sich ein bisschen besser mit dem Schnaps intus. Dass wir auch heute wieder gegen die totale Erschöpfung ankämpfen, hätte ich nach den letzten Etappen wissen müssen. Irgendwann erreicht man immer den Punkt, an dem man nur noch versucht, zu funktionieren. Einfach nur voranzukommen.

Gelb und blau – das sind die typischen Farben Patagoniens!

Kurz vor dem Erreichen des wahren Gipfels steht es mal wieder schlecht um mich. Der tiefe Bimsstein ist eine Herausforderung. Ich bin heilfroh, als ich schließlich einen Ast im Steinhaufen entdecke. Das “Gipfelkreuz” verrät, dass es von nun an wohl nicht mehr bergauf gehen wird.

Und wirklich, bergauf geht es nicht mehr. Aber dafür richtig steil bergab. Und das stundenlang. Vor allem der letzte Teil durch grobes, steiniges Gelände ist extrem beschwerlich.

Manchmal fühle es sich so an, als würde man über einen anderen Planeten laufen

Wir hätten gerne bei der Laguna de los Animas übernachtet, jedoch mussten wir wegen unseres knappen Wasservorrats weiterziehen. Wasser aus der Lagune zu trinken ist keine gute Idee, da es zu viele Mineralien enthält

Jeder sollte mal im T-Shirt über ein Eisfeld laufen 😀

Als wir schließlich in ein herbstliches Tag gelangen und unser Camp am Bachlauf des zauberhaften Nirrewäldchens aufschlagen, befinden wir uns jenseits von Gut und Böse. Auf einen Stein ist mit Graffiti gesprüht: “Las fronteras solo son mentales” (“Grenzen sind nur mental”).

Als ich Moe vorschlage, unser Lager dreißig Meter weiter auf einen etwas diskreteren Platz zu verlagern, ist er plötzlich stinksauer. Er meint, dass es für ihn unmöglich sei, den Rucksack noch einmal aufziehen. “Der Platz hier ist doch vollkommen in Ordnung.” Ich lasse jedoch nicht locker. Trotzig folgt er mir zu dem auserkorenem Platz, um sich schließlich auf die Isomatte fallen zu lassen. “Ich mache jetzt gar nicht mehr” verkündet er mir. Während ich das Feuerholz sammeln gehe, denke ich mir, dass ich den Bogen zu weit gespannt habe. Als ich wiederkomme, ist Moe jedoch wieder ansprechbar. Dieser Weg bringt uns wohl auch an unsere mentalen Grenzen.

Nachts bekomme ich kaum ein Auge zu, weil es so kalt ist. Daher bleibt der erholsame Schlaf, der nach einer so anstrengenden Etappe nötig wäre, leider aus.

Diese Nacht haben wir bei Minusgraden verbracht

6. Tag – Zu viele Kilometer abseits des Weges

Wir starten mal wieder früh in den Tag und folgen den Fußspuren, die uns den Weg vorgeben. Doch im Abgleich mit der Karte merken wir, dass wir uns eigentlich schon viel weiter auf der westlichen Seite des Tals bewegen müssten. Wir haben wohl die Abzweigung verpasst, ist ja nicht das erste Mal. Anstatt leicht bergauf zurück zu laufen, beschließen wir, es querfeldein von Ost nach West zu versuchen. Das klappt auch einigermaßen gut, nur haben wir erhebliche Probleme, den Weg dort zu finden, wo er eigentlich sein sollte. Wir überprüfen alles 5-fach, versuchen uns an den Gipfelspitzen zu orientieren, sind schließlich aber überfragt. Eigentlich hätten wir den Weg kreuzen müssen. Ziellos irren wir umher, folgen jeder noch so kleinen Spur, um festzustellen, dass sie ins Nichts führt, gehen alles drei Mal auf und ab. Nichts.

Mittlerweile ist es schon Nachmittag, so viel Zeit hat uns die Suche gekostet. Von der Karte wissen wir, dass wir westwärts über eine Gipfelkette steigen müssen. Doch wo ist nur der Weg, der uns nach oben führt?

Für Notfälle haben wir unsere Handys dabei, um ein GPS-Signal zu empfangen. Dies ist wohl ein Notfall. Doch so richtig scheint die Ortung mit den Handys nicht funktionieren zu wollen. Wir warten ewig, bis mein Handy endlich unseren Standort findet. Er zeigt uns an, dass wir uns direkt neben dem Weg befinden und diesen schon einige Male gekreuzt haben müssten. Seltsam, sehr seltsam. Um noch etwas Akku für weitere Notfälle zu haben, schalte ich das Handy sofort wieder aus, obwohl Moe dazu rät, es noch eine Weile anzubehalten (was uns in Nachhinein betrachtet sicherlich einige Zeit erspart hätte). Die Suche geht weiter. Doch einen Weg finden wir nicht.

Ein paar Pferdespuren führen uns hoch zu dem Bergkamm. Weil wir sonst auf nichts anderes gestoßen sind und das mit der Karte ungefähr zusammenpasst, folgen wir dem Trampelpfad durch das kleine Wäldchen. Anfangs sind wir noch recht zuversichtlich, dass dies der richtige Weg ist. Doch mit jedem Höhenmeter wird der Weg durchwachsener und die Spuren uneindeutiger. Vielleicht ist das hier nicht der Weg, den wir suchen, doch es ist sicher, dass wir auf den Bergkamm gelangen müssen. Wenn wir einmal dort oben sind, dann werden wir den Weg schon finden.

Der Weg nach oben zieht sich. Hohe Sträuche ragen aus dem Bimsstein heraus und erstrecken sich wie ein Labyrinth vor uns. Serpentinenartig bahnen wir uns einen Weg durch sie, müssen uns aber zunehmend durch die dicht bewachenen Büsche zwängen, um überhaupt voranzukommen. Meine Arme und Beine sind aufgeschrabt. Durch die Erschöpfung falle ich ein paar Mal auf die Knie. Doch immerhin fällt man weich auf dem Bimsstein. Wenn ich mich hier so umschaue, so werde ich jedoch zunehmend pessimistischer, dass der Weg hier entlanggeht. Rechts und links ist nichts zu erkennen. Und der Weg nach oben ist auch weiter, als man von unten denkt.

Oh, wie ich diese Büsche hasse

Als ich mich ein weiteres Mal hinlege, bleibe ich am Hang sitzen. Das hat doch alles gar keinen Zweck. Ich bin mir sicher, dass wir hier falsch sind und unsere kostbare Zeit und Energie für den falschen Aufstieg nutzen. Nun ist es schon später Nachmittag. Lange werden wir nichts mehr von der Sonne haben. Moe meint, dass wir oben bestimmt mehr sehen werden. Ich denke mittlerweile nur noch, dass es Quatsch ist. Wenn wir uns in der brennenden Mittagssonne bis nach oben gequält haben, könnte ich meinen Arsch drauf verwetten, dass es dort nichts als einen tiefen Abgrund zur anderen Seite hin gibt. Und ich behalte Recht. Oben gibt es einen tollen Ausblick und eine beeindruckende Schlucht. Aber einen Weg bestimmt nicht.

Ich schalte wieder mein Handy an und bete, dass wir hier oben ein GPS-Signal empfangen. Wir haben sonst keine Chance, den Weg zu finden. Doch natürlich bekommen wir kein Signal. Ich starre Minute um Minute auf mein Handy. Und ich frage mich, was wir denn jetzt tun sollen. Durch reines Ablaufen und Suchen können wir den Weg einfach nicht finden und auch die Karte hilft uns nicht sonderlich weiter, da jeder Berg in dieser Kette gleich aussieht. Man weiß eben nur so ungefähr, wo es hochgehen könnte. Doch dann erbarmt sich mein Handy. Weit sind wir vom Weg nicht entfernt. Wir hätten lediglich eine Einkerbung weiter unseren Weg nach oben antreten müssen. Aber dort konnten wir eben keinen Weg erkennen.

Oben auf dem Bergkamm können wir nicht entlanglaufen. Große, steile Felshänge liegen auf dem Weg. Wir versuchen, die flachste Stelle auszumachen, aber selbst dort ist eine Überquerung viel zu gefährlich. Mit unseren schweren Rucksäcken sowieso.

Moe geht dieses Abenteuer ziemlich enthusiastisch an, während ich einfach nur darauf hoffe, das hier zu überleben

Es hilft nichts. Die hart erkämpften Höhenmeter müssen wir wieder runtersteigen, um weiter westlich wieder auf den Kamm zu gelangen. Wir versuchen, entlang des Abhangs so weit wie möglich querfeldein zu laufen, damit wir nicht wieder ganz hinab in den Wald müssen. Das Gelände ist jedoch so unwegsam, dass wir uns nur sehr langsam fortbewegen können. Nicht nur einmal stelle ich mir die Frage: “Was mache ich hier eigentlich?” Ich hoffe einfach nur, dass ich es irgendwie überstehe.

Descabezado Grande

Wenigstens hat man eine gute Sicht von hier oben

7. Tag- 20 Kilometer: Goodbye, Descabezado!

Es war eine ruhige Nacht. Heute ist wohl der vorletzte Tag – wenn alles gut geht. Die Aussicht ist genauso beeindruckend wie die Tage zuvor. Wir durchqueren mystische Wälder, friedliche Täler und steigen über rauhes Geröll ab. Natürlich verlaufen wir uns auch heute an so einigen Stellen. Länger als eine halbe Stunde kosten uns die kleinen Abstecher heute jedoch nicht. Etwas kniffeln gehört wohl einfach mit dazu! Die ganze Angelegenheit ist deutlich einfacher, wenn man zu zweit unterwegs ist. Hätte Moe nicht einige Abzweige von mir hinterfragt und umgekehrt, hätten wir uns wohl noch öfter vertan. Nun sind wir stolz, dass wir es bald wirklich geschafft haben.

Was für eine Farbenpracht!

Doch mit jedem Kilometer wird auch die Essenlust von mir größer. Pommes! Ohhh, wie schön wären jetzt Pommes. Oder was würde ich jetzt für ein leckeres Schnitzel geben! Oder leckere Empanadas! Oder, oder, oder… Ich texte Moe mit meinen Gelüsten voll. Ja, es wird höchste Zeit, wieder in die Zivilisation zu gelangen. Nachdem wir wieder einmal den ganzen Tag auf den Beinen waren, suchen wir uns einen ruhigen Platz am Fluss, wo wir unser Zelt aufschlagen. Ein umgestürzter Baumstamm bietet uns sogar eine Sitzgelegenheit beim Kochen. Hervorragend!

8. Tag – Nur noch ein paar letzte Kilometer, dann geht’s wieder auf’s Töff

Der Tag beginnt standesgemäß mit einem Aufstieg – nun wird es aber endlich der letzte sein. Als Moe und ich schließlich wieder an dem Schild ankommen, an dem wir vor einer Woche gestartet sind, falle ich ihm in die Arme. Ich bin so stolz auf uns. Wir sind weder verloren gegangen, noch von Pumas aufgefressen worden, noch hunderte Meter tief in den Abgrund gestürzt. Das Einzige, was uns fehlt, sind Pommes!

Ein freundlicher Ranger bietet uns an, uns auf den fehlenden drei Kilometern bis zu unserem Motorrad in seinem Jeep mitzunehmen. Dieses Angebot nehmen wir sehr gerne an. Als wir jedoch im Auto sitzen, fällt uns ein, dass wir wohl nicht die angenehmsten Passagiere sind. Acht Tage ohne Dusche, die täglichen Lagerfeuer und der vergossene Schweiß der zahlreichen Aufstiege sind sicherlich muffig. Der Ranger bleibt trotzdem freundlich.

Am Motorrad angekommen wird wieder umgepackt. Wir wollen heute noch über den Bergpass rüber nach Argentinien fahren. Und so werden wir zum Abschluss dieser unfassbar anstrengenden Woche mit einer atemberaubenden Strecke belohnt, die erst durch ein goldenes, herbstliches Tal, dann durch die majestätischen Berge führt. Neben uns der Ausblick auf die Vulkanlandschaft, durch die wir die letzte Woche zu Fuß gelaufen sind. Es ist wie eine nur allzu reichliche Belohnung für die Mühen der letzten Tage und ich genieße jede Kurve umso mehr. Nahezu alleine und begleitet von den Kondoren fahren wir höher und höher, bis wir schließlich zur Laguna del Maule gelangen – dem Höhepunkt dieses Festes! Zurecht lässt sich diese Strecke als eine der allerschönsten, die wir je gefahren sind, beschreiben. Es ist einfach auch eine ganz andere Erfahrung nach allem, was wir hier erlebt haben.

Auch an der Grenze verläuft alles ganz entspannt. Auf dem Stempel muss das heutige Datum erst noch eingestellt werden, da wir wohl die Ersten sind, die hier aufkreuzen. Zwischen der chilenischen und argentinischen Grenze wird es plötzlich noch schöner. Und als ich am Abend vor meinen hart erkämpften und wohl verdienten Pommes sitze, könnte ich nicht glücklicher sein!