Der Tiger steht nun erstmal in der Werkstatt und wartet brav auf Ersatzteile. Und was können wir so machen, während wir darauf warten? Richtig, reisen natürlich! Also ziehen wir von Santiago los und starten eine Rucksackreise in den Norden Chiles.

Zuerst wollen wir von unserem Zeltplatz aus noch etwas weiter in die Anden fahren, bevor es ans Meer geht. Wir fahren mit dem Bus ins nächste Örtchen, wo der öffentliche Verkehr endet. Das neue Abenteuer “Tramping” kann beginnen.

Wir sind nicht die erfahrensten Tramper, doch es ist eine willkommene Abwechslung zum Moppedfahren. Unten im Süden haben wir zahlreiche Reisende getroffen, die per Anhalter unterwegs waren. Dann kann es hier ja nicht so schwer sein. Wir stellen uns gespannt an den Straßenrand. Ein freundliches Lächeln aufgesetzt und siehe da – prompt nimmt uns das allererste Auto mit. Das ging einfach! Schnell hüpfen wir auf die Ladefläche des Jeeps, um circa zwei Kilometer später abgesetzt zu werden. So weit, wie wir uns das erhofft hatten, sind wir also noch nicht gekommen. Das Spiel beginnt wieder von vorne.

Nun müssen wir jedoch noch länger warten, bis das nächste Auto vorbeikommt. Es gibt Blickkontakt zum Fahrer, er winkt uns! Als wir eilig unsere Rucksäcke aufsetzen, stellen wir jedoch fest, dass er einfach weiter fährt. Hä? Wir beide hatten sein Gestikulieren fälschlicherweise als Zusage interpretiert. Was wollte er uns sonst damit sagen? Egal, dann versuchen wir unser Glück eben beim Nächsten.
Auch die folgenden Autos geben uns oft unverständliche Handzeichen und fahren danach an uns vorbei. Mit jedem Auto, das so an uns vorbeirauscht schwindet allmählich meine anfängliche Euphorie und ein seltsames Gefühl kommt in mir auf. Auf irgendeine Art und Weise fühle ich mich jetzt wie ein Bittsteller. Einer, der jedes Mal einen Korb kassiert, wenn ein Auto, das doch eigentlich genug freie Plätze hätte, einfach an uns vorbeirauscht. Manche Fahrer drücken sogar extra noch auf die Tube oder wechseln die Straßenseite, sobald sie uns sehen. Als würden wir sonst noch auf die Idee kommen, uns im Vorbeifahren auf ihre Ladefläche zu schmeißen… Aber wir haben doch sonst keine andere Möglichkeit, hier voranzukommen, ohne eigenes Fahrzeug. Es ist niederschmetternd. Ich mochte es noch nie sonderlich, jemanden um einen Gefallen zu bitten und schon gar nicht, von jemanden abhängig zu sein. Doch jetzt sind wir auf die Freundlichkeit anderer Menschen angewiesen und können nichts anderes tun können, als in angstvoller Erwartung jedem neuen Auto möglichst gelassen zuzulächeln.

Mich bringt das auch zum Nachdenken: Wie würde ich mich in so einer Situation verhalten? In Deutschland sieht man ja nie Tramper. Ich erinnere mich nur an ein einziges Mal, dass ich ein Paar an einer Autobahnraststätte gesehen habe. Damals bin ich an ihnen vorbeigefahren, weil mein Auto schon voll mit Mitfahrern war. Ich habe häufig Mitfahrgelegenheiten über die gängigen Portale angeboten. War natürlich nett, sich die Fahrtkosten zu teilen, aber auch abgesehen davon immer eine positive Erfahrung. Es war spannend, mit den unterschiedlichsten Menschen zu quatschen, mit denen man vielleicht sonst nie in ein Gespräch gekommen wäre. Man bekommt viele neue Ideen. Ich weiß, dass es oftmals zu Verwunderung geführt hat, dass ich als junge Frau auch “wildfremde Männer” in meinem Auto mitfahren lasse. Buhuhuhu… Sicher, jeder von denen hat es darauf abgesehen, mir ein Messer an die Kehle zu halten… Nun frage ich mich, ob sich die Menschen in den vorbeifahrenden Autos womöglich auch solche Gedanken machen. Oder haben die einfach keine Lust auf soziale Interaktion? Was denken die eigentlich, wenn sie uns sehen?

Nach einiger Zeit hält das nächste Auto. Wir werden wieder für ein paar Kilometer mitgenommen, dann hat das Paar sein Ziel erreicht. Doch je weiter wir in die Berge kommen, desto rarer wird auch der Verkehr. Wer weiß, ob wir es heute überhaupt noch zu unserem Ziel schaffen. Wenn man per Anhalter unterwegs ist, dann darf man wirklich keinerlei Erwartungen haben.

Mit dem dritten Auto und vieeeeel Zeit klappt es dann: Wir erreichen unser Ziel. Am nächsten Morgen können wir schon früh zu einer kleinen Wanderung im Nationalpark El Morado aufbrechen.

Ein Ausblick, der einem den Atem raubt: Das Naturschutzgebiet El Morado

Und da wir schon wieder recht früh von der Wanderung zurückkommen, entschließen wir uns spontan, es heute noch weiter mit dem Trampen zu versuchen. Bis ans Ende der Straße, tief in die Berge. Dort sollen sich heiße Thermen befinden. Bei den frischen Temperaturen, mit denen wir nächtlich zu kämpfen haben, können wir es kaum erwarten.

Jetzt ist es allerdings noch schwieriger, eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Hier sind einfach nicht mehr viele unterwegs. Wir wollen schon fast die Hoffnung aufgeben, als wir von vier netten Damen in einem Kleinwagen aufgesammelt werden. Es wird sich richtig zusammengequetscht, um uns mitzunehmen. Das ist mal ein Einsatz!

Die Strecke zu den Thermen ist abenteuerlich – ein Offrad-Spaß, den wir nun mal in einem vollgestopften Kleinwagen erleben dürfen. Wahnsinn, wie schnell sich draußen die Kulisse verändert. Es ist ein komischer Gegensatz, eingequetscht in diesem Wagen, wo mein Kopf ständig gegen die Decke stößt, zu sitzen, während ich versuche, nach draußen in die unglaublichen Höhen dieser majestätischen Bergmassive zu schauen. Die Frau auf dem Beifahrersitz filmt die Kulisse mit ihrem Handy. Das tut sie durchgängig, in einem Video, das bereits elf Minuten andauert. Auch die Tatsache, dass die Aufnahme wegen der Fahrt so dermaßen verwackelt, dass sich kein einziger Mensch auf dieser Erde dieses Video jemals ohne Kopfschmerzen anschauen kann, scheint hier nicht zu stören. Das Phänomen “Handyvideo” wird von ihr auf ein neues Level gebracht! Kann man nicht einfach mal den Moment erleben, ohne auf den Bildschirm zu starren? Und kann mir jemand erklären, warum hier eigentlich jegliches Gefühl für Qualität verloren gegangen ist?

Bei den Thermen angekommen, müssen wir leider feststellen, dass hier ziemlich der Punk abgeht. In den sieben unterschiedlich heißen Becken tummeln sich abscheulich viele Menschen. Da es heute wohl eine besonders kalte Nacht wird, verzichten wir erstmal auf ein Bad, schlagen schnell unser Zelt auf und beginnen mit dem Kochen. Als ich anschließend ins Zelt steige, bin ich so durchgefroren, wie noch nie. Und zu meiner Erfreunis stelle ich fest, dass der Boden voller spitzer Steine ist, die sich in den Rücken bohren. Der Wind bläst stürmisch gegen unser Zelt, während einige Chilenen in dieser Eiseskälte bis spät in die Nacht feiern. Das sind welche von der ganz harten Sorte!

Sieht romantisch aus, war es jedoch ganz und gar nicht

Nach der kurzen Nacht stehen wir morgens fix und fertig auf. Nur ein paar Meter laufen, dann können wir uns zum Sonnenaufgang in die in die wunderbar heißen Becken setzen. Und das nun ganz alleine. Was für eine Wohltat!

Whirlpool mit unbezahlbarem Ausblick

Tags darauf trampen wir wieder zurück. Nördlich von Santiago gibt es zwei ganz besondere Nationalparks, auf die wir es abgesehen haben. Zuerst geht es in den Nationalpark Pan de Azucar. Hier trifft die Atacama-Wüste – der trockenste Ort der Welt! – auf das Meer.

Einen richtigen Bahnbetrieb gibt es in Chile nicht, daher kaufen wir uns für wenig Geld ein Ticket für den Nachtbus, der uns zur nächstgelegenen Stadt am Nationalpark bringen soll. Zwölf Stunden Fahrt sind in dem bequemen Bus überraschend gut zu bewältigen. Deutschlands Fernbusse können sich da durchaus ‘ne Scheibe abschneiden…

Als wir schließlich morgens in Chañaral ankommen, erwartet uns eine Trostlosigkeit, die seinesgleichen sucht. Wir sind in der Wüste angekommen. Halbzerfallene Baracken reihen sich an die leergefegte Staubpfade, und auch das Meer sieht einfach nur schrecklich deprimierend aus. Einfach nur deprimierend.
Bis zum Nationalpark sind es noch zwanzig Kilometer. Nun ist das ja eigentlich keine Distanz, die zur Hürde werden sollte. Doch ein Taxi ist uns zu teuer, öffentlichen Verkehr gibt es wieder keinen. Wir wagen also erneut den Versuch und halten den Daumen raus. Nur leider kommt kein Auto, da kein Schwein in den Park fahren will. Die Saison ist schon lange vorbei.

Wir einigen uns darauf, es für eine Stunde zu versuchen, bevor wir mit unseren schweren Rucksäcken losgehen. Dann kommen wir vielleicht heute nicht mehr an, aber immerhin unserem Ziel ein bisschen näher. Denn hier warten wir nur vergeblich.

Wer nimmt uns mit nach Pan de Azúcar?

Eine Stunde, kein Auto. Gerade als wir uns damit abgefunden haben, dass wir heute wohl nur in den Genuss einer Wanderung an der Straße kommen werden, kommt dann doch noch ein Wagen. Und wirklich – nur zwanzig Kilometer vom hässlichen Chañaral entfernt, gelangen wir in eine absolut verlassene Gegend, deren rauhe Schönheit einzigartig, geradezu faszinierend ist. Wir bleiben drei Tage, denn jeder der absolut einsamen Wanderwege hat etwas reizvolles zu bieten. Die Kombination aus Meer, Kakteen und Canyons hat es uns angetan.

Auf Wanderweg Nummer 1…

…kehren wir dem Meer den Rücken…

… und wandern immer tiefer in einen Canyon, der erst vor kurzer Zeit in Folge einer schlimmen Flut entstanden ist.

Diese drei Gesellen stehen am nächsten Morgen direkt vor dem Zelt

Wanderung Nummer 2 führt zuerst durch eine surreale Mondlandschaft…

… bis hin zu einem schönen Aussichtspunkt. Hier erfahren wir jedoch, dass es hier nicht mehr lange so aussehen wird. Die Regierung will eine Schnellstraße mitten durch den Park bauen,…

… mit fatalen Folgen für die hiesige Tierwelt.

Natürliche Wanderwegmarkierungen sind die allerschönsten

Die zweite Nacht verbringen wir – ebenfalls mutterseelenallein – zwei Strände weiter, wo die wilden, rauhen Felsformationen wie wahre Kunstwerke wirken

Die dritte Wanderung beginnt ziemlich langweilig…

….doch dann entdecken wir diesen kleinen Kauz,….

… der neugierig in die Kamera schaut.

Als wir schließlich wieder zurück nach Chañaral müssen, geht die Suche nach einer Mitfahrgelegenheit weiter. Mit dem Motorrad hier zu fahren wäre ein absoluter Traum, doch wenn man kein eigenes Fahrzeug besitzt, dann hat man auf jeden Fall gelitten. Einsam sitzen wir an der Straße, bis es uns zu kalt wird. Obwohl wir heute schon zwanzig Kilometer gewandert sind, laufen wir lieber in Richtung Stadt, anstatt in der Kälte zu warten. Wir haben keine Essensvorräte mehr. Vielleicht müssen wir heute mit leeren Magen ins Zelt steigen, wer weiß das schon. Nach zwei Stunden sammelt uns dann ein freundlicher Chilene auf der verlassenen Straße auf. Eine Erlösung!

Nun geht es weiter mit dem Fernbus, ganz hoch in den Norden, wo Chile an die beiden Länder Peru und Bolivien grenzt. Der dort auf 4500 Höhenmetern gelegene Lauca-Nationalpark ist unser nächstes Ziel. Da man auf einer solchen Höhe schnell der Höhenkrankheit erliegen kann, wärmen wir uns erstmal im Bergdörfchen Putre auf, das sich auf 3600 Höhenmetern befindet.

Obwohl Putre wirklich ab vom Schuss ist, gibt es auf dem Hauptplatz das schnellste freie WLAN, das wir je in Chile hatten. Verrückte Welt…

Wir gehen auf Akklimatisierungwanderung rund um das hübsche Dörfchen. Es offenbaren sich spektakuläre Schluchten, prähispanische Siedlungen und traditionelle Terrassenanlagen der Altiplanobauern. So beeindruckend das ist, es ist auch auf dieser Höhe schon alles etwas anstrengender. Wir brauchen ein paar Pausen mehr und auch beim Zeltaufbau wird uns schwindelig.

Relikte am Wegesrand. Zwanzig Meter weiter stand ein alter Kühlschrank und wir haben doch tatsächlich Bier darin gefunden 😛

Halbwegs akklimatisiert wollen wir nun zu unserem eigentlichen Ziel gelangen, dem Lauca Nationalpark auf 4500 Höhenmetern. Auch hier endet mal wieder der öffentlichen Verkehr. Auf einen teuren Touritrip von Putre aus wollen wir verzichten. Es läuft dann wieder auf Däumchen raushalten hinaus.

Doch dies ist nun die wahre Challenge. Wir stehen stundenlang vergeblich an der Hauptstaße, die direkt zur Grenze nach Bolivien führt. An mangelndem Verkehr mangelt es hier nicht: Es sind zahlreiche Trucks unterwegs. Doch die haben allesamt keine Lust, dahergelaufene Tramper mitzunehmen. Pech für uns. Wir bleiben stehen, bis es dunkel wird. Schließlich müssen wir uns im Gebüsch an der Straße ein kleines Versteck für die Nacht suchen. Da es keinen anderen Platz gibt, der fußläufig erreichbar wäre, müssen wir in der Not mit Büschen Vorlieb nehmen, die wohl auch als Toiletten für die LKW-Fahrer dienen. Als ich am nächsten Morgen aus dem Zelt steige und drei Schritte weiter auch schon den ersten nackten Arsch im Gebüsch erblicke, bin ich ein klein wenig ergriffen. Dies sind doch die wirklich glamourösen, romantischen Momente der Reise, nach denen wir alle streben.

Heute stehen wir auch wieder den halben Tag und senden erfolglos unzählige Lächeln in die Fahrerkabinen. Alles für die Katz! Wir sind verflucht. Doch ich will nicht gehen, ohne eine echte Hasenmaus im Park gesehen zu haben (ja, die heißen wirklich so). Doch unweigerlich nimmt mit jeder Absage auch der Frust zu. Wie gut, dass wir sonst ein Mopped haben. Wie gut, dass wir mit dem Tiger einfach dorthin fahren können, wo wir hin möchten. Dann, wenn wir es möchten. Wie gut, dass wir unabhängig sind. So ein Luxus!

Wir müssen auf einen der Fernbusse warten, der nach Bolivien fährt. Im Tausch gegen ein paar Pesos bekommen wir zum Glück noch einen Platz. Im Bus lernen wir Luzie kennen, die ebenfalls eine Wanderung im Nationalpark machen möchte. Auch wenn die Warterei nervig war, es hat sich gelohnt, nicht aufzugeben.

Kuckuck! Ach ne, Lama!

Hübsch geschmückt sind sie auch noch

Der Vulkan Parinacota ist in dicken Nebel gehüllt und zeigt sich heute nur für ein paar ganz wenige Augenblicke

Die Schneelandschaft hier oben ist einfach genial

Mein absolutes Lieblingsfoto!

Suchbild: Na, wer entdeckt es?

Schreckhafte, kleine Freunde, die Hasenmäuse (sogenannte Vizcachas). Doch ich kann Stunden damit verbringen, mich an sie ranzuschleichen

Auch, wenn ich ja liebend gerne zwischen Vizcachas zelten würde, die Bilder verraten schon: Hier oben ist es schrecklich kalt. Also müssen wir wieder runter. Nun sind wir zu dritt, was die Chancen, mitgenommen zu werden, nun wirklich gegen Null laufen lässt.

Es geht wieder los. Da uns kein Brummifahrer einladen möchte, erbarmt sich ein Sprinterfahrer. Wir haben großes Glück, dass er vom kleinen Dörfchen hier oben aufgebrochen ist und Mitleid hat. Wir dürfen hinten in den Laderaum – ein Erlebnis der ganz besonderen Art! Es ist nämlich stockduster – und damit meine ich ein “ich-seh-meine-eigene Hand-direkt-vor-den-Augen-nicht-mehr”-duster. Und wie das für einen Bergpass so üblich ist, haben wir natürlich vor allem eins: Kurven. Wenn ich mich nicht an der Wand festkrallen würde, würde ich mitsamt der Kisten kreuz und quer über die Ladefläche purzeln. Das lenkt wenigstens von dem etwas mulmigen Gefühl ab, dass man so bekommt, wenn man rein gar nicht mehr sieht, wohin es geht. Hier werden ja auch gerne mal die Kurven geschnitten… Ich mache gerade noch Witze darüber, dass es ja schon etwas von einem Entführungsszenario hat – so hinten in der dunklen Ladekammer – als wir plötzlich merken, dass wir auf Schotter gewechselt haben müssen. Da wir den Weg aber heute schon mit dem Fernbus hochgefahren sind, weiß ich ganz genau, dass wir ausschließlich über Teer fahren müssten. Irgendwas stimmt hier nicht.
Wir halten an, die Spannung steigt. Als sich schließlich die Tür öffnet und wir fast blind von der plötzlichen Helligkeit die Augen zukneifen, lacht uns der Fahrer entgegen. Amüsiert fragt er uns nach unserem Befinden. Noch geht es uns gut. “Sind wir denn schon da?”, fragt Luzie. “Nein, das ist nur ein Zwischenstopp. Wir müssen hier ‘was vorbeibringen”, ruft uns der Fahrer zu. Luzie schaut aus der Tür und stellt fest, dass wir uns mitten auf einer Baustelle befinden. Okay, nun ergibt das auch mit dem Schotter Sinn. “Achso, und falls ihr kotzen müsst, klopft einfach an das Fahrerhaus, dann halt’ ich an”, bemerkt der Fahrer, während er die Tür wieder schließt.

Auch wenn ich so manch eine Fahrt nicht vergessen werde – ich bin doch froh, nicht dauerhaft per Anhalter unterwegs zu sein. Denn zumindest in Chile sind wir damit schnell an unsere Grenzen gestoßen, wenn es darum geht, an die für uns reizvollen Orte zu gelangen. Klar, man lernt nette Menschen kennen, verbraucht keinen zusätlichen Sprit und kann Geld für andere Dinge sparen, doch ohne vollkommene Gelassenheit, viel Zeit und die Bereitschaft, auch mal nicht voranzukommen, funktioniert es nicht. Im Vergleich zu anderen Overlandern, die mit ihren voll ausgestatteten Trucks daherkommen, waren wir ja sonst eher minimalistisch und komfortlos unterwegs. Im Vergleich zum Trampen ist es nun zum totalen Luxus geworden – alles eben immer eine Frage der Perspektive!